Klänge gehen unter die Haut

Konzert im SPEICHER mit Horst Peter vom Meeresstrand zur Sommerwiese. IDSTEIN - (ach). Es ist das vorletzte Konzert im „Speicher“. Eines, das den Blick nach innen lenkt. Die Klangmassage von Horst Peter bringt Saiten zum Schwingen, die im Alltag nicht immer Raum haben. Der gebürtige Mainzer mit Wohnsitz in Taunusstein ist mit Musik groß geworden, spielte Blockflöte in der heimischen Pfarrkirche, erinnert sich an Hausmusikabende im Familien- und Freundeskreis. Der Vater, selbst mit allerlei Instrumenten vertraut, schenkte dem Sohn ein Saxofon, half ihm, sich musikalisch weiter zu entwickeln. Beide Instrumente, Flöten wie Saxofon, kommen am Sonntagabend unter dem hohen Dachfirst des „Speichers“ zum Einsatz, unterstützt von Keyboards und Stimme. Ermunterung durch Ehefrau Seit fünf Jahren ist der gelernte Cutter nun schon als Solist unterwegs, ermuntert von seiner Ehefrau, die selbst komponierten Fragmente auszubauen und damit aufzutreten. Neben der Arbeit an eigenen, von seiner Intuition inspirierten Arrangements, arbeitet der Autodidakt an verschiedenen Gemeinschaftsprojekten. Anfang 2014 startete er zuletzt ein neues musikalisches Experiment und gründete mit Michael Mehler, Gitarrist und Sänger, die Gruppe „Sternestaub“. Aber im „Speicher“ ist er solo unterwegs, spielt Stücke aus seinen CDs „Novemberwind“ und „Engelreise“. Der „Novemberwind“ beginnt und endet am Meer. Die Zuhörer hören die Brandung rauschen, Keyboard und Playback, begleitet von Flöten und Stimme, entführen raus in die Natur. Man glaubt, Blätter fallen, Regen prasseln, Wind peitschen, Wale singen, Tang und Salz riechen zu können. Zwei besondere Lautsprecher, sogenannte Naturschallwandler, verteilten die Klangdusche harmonisch und wohltemperiert im Raum. Es bleibt lange eher leise. Doch dann, nach einer Stunde, greift Horst Peter endlich zum Saxofon. Das ist lauter, bleibt aber auch im weiteren Verlauf des Konzerts im Hintergrund, lässt sich nur sparsam und melancholisch vernehmen. Es sind die Flöten, die vielen unterschiedlichen Flöten, die kleinen und die großen, die den Ton angeben, oft begleitet von Pianoklängen. Auf der „Engelreise“ im zweiten Teil des Konzerts, führt Peter die Zuhörer weg vom Meer, hin zu einer akustischen Sommerwiese voll zwitschernder Vögel, bevölkert von allerlei Fabelwesen, die durch den Wald tanzen, der würzig-zarte Duft von Gras und Blüten liegt in der Luft. „Es ist mein Ziel, die Menschen zu berühren“, sagt Peter in der Pause. Wer offen ist für seine meditative Musik, wer sich darauf einlässt, der kann viel erleben auf seinen Klangreisen. Der kommt weit herum und fühlt sich dennoch ruhig und geerdet.

Der gelernte Cutter Horst Peter lenkt den Blick nach innen.

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