Von Schrottmodels bis Napoleon:Kurzweiliger Abend mit Carola von Klass und Christina Ketzer im Idsteiner SPEICHER

Von Marion Diefenbach IDSTEIN - Sie treten vor das Publikum und zicken sich erstmal kräftig an: die große, schlanke, tief gebräunte Carola von Klass, „zu der alle aufschauen“, und die kleine, leicht rundliche, blasse Christina Ketzer, die sich daneben wie „Mutter Beimer“ fühlt. Man schreibe doch nur ihr „Herz und Tiefgang zu“, schnurrt von Klass. „Ja, wenn’s halt nix zu gucken gibt…“, kontert Ketzer. Sie passen zusammen wie Ying und Yang, vielleicht auch und gerade wegen der nicht nur körperlichen Unterschiede, die beiden gelernten Schauspielerinnen, die „vor sieben Jahren mit den ‚Wechseljahren‘ (das 1. Programm) angefangen“ haben und treue Stammgäste im Idsteiner Speicher sind. „Botox-Tage“ für Männer Im diesmal prall gefüllten Kulturspeicher („Es sind Botox-Tage, 20 Prozent Rabatt, deshalb auch die vielen Männer“) präsentieren sie in „Viel Holz vor der Hütte, wenig im Kasten!“ ihre Spezialität: Witzige, kurze Sketche, für die sie immer wieder blitzschnell in andere Rollen schlüpfen – Kleidungsstücke, Perücken, Dialekte und Akzente inklusive. Viele Alltagsszenen, vom Friseur über das Navi und die Boulevardpresse bis zu „Germany’s next Schrottmodel“ wirken vor allem durch die darstellerische Präzision und viel Wortwitz sehr kurzweilig: So etwa das Bestattungsinstitut „Tiefer gelegt“, in dem nach der Entscheidung für Erdbestattung (der Verstorbene war wasserscheu und hat sich mal die Schnute verbrannt) und Präsentation der endlosen Palette von Sargausführungen (sogar mit Guckloch und Vorhang) die Wahl auf die exklusive Teakholzvariante mit Silbergriffen und Brüsseler Spitze fällt. Dazu ein Kranz aus Springkraut und Löwenzahn sowie Gianna Nanninis „Bello“ als Trauermusik ergeben einen stolzen Preis von über 9000 Euro – aber der Hund ist es eben wert.

Foto Mallmann

Ihre Lieblingswörter „Stromaggregat“, „Dialektik“ und „Daumengelenkssattelarthrose“ hat Ketzer nahtlos in einen fast schon philosophischen Text zum Thema „Stille Wasser“ eingearbeitet, den sie dem staunenden Publikum vorliest. Von Klass zieht als „Carlotta Caramba“, persönliche Referentin von Silvio Berlusconi, über den Napoleon-Komplex kleiner Männer her; bei DSDAS (Deutschland sucht den alpenländischen Superstar) singen sich beide gar mit Filzhüten und Reimen auf „Es klappert die Mühle“ ins Finale. Von der „Präkognitiven Verbalisierung“ mancher Fußballer über die Krankenhausaufnahme für Ausländer auf Denglisch wegen „Zippele oder Inflammation im Frisbee (Kniescheibe)“ oder die Telefonberatung beim Möbelzusammenbau auf drei bis vier wählbaren Intelligenzstufen (hoch, mittel, gering und Notarzt) bis zur von Regenallergie geplagten Frau Wurzwinkel, die nach Behandlung durch einen indischen Arzt jetzt statt dessen unter Warzen leidet und diese auf indisch bespricht, bleibt keine schrill-schräge Absurdität aus… Das überwiegend ältere Publikum hat einen locker-leichten und amüsanten Abend verbracht und verlangt zwei Zugaben.

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