Mit Spannung und Lust an der Farbe

Gemeinschaftsausstellung "Grenzenlos" von Ljerka Wohner und Gunhild Kauhle. Aus der Idsteiner Zeitung : von Marion Diefenbach IDSTEIN - Sie verzichten auf die Ansprache eines Kunsthistorikers, um ihre Bilder selbst sprechen zu lassen: Unter dem Titel „Grenzenlos“ ist bis 19. Juli im Speicher Abstraktes und Gegenständliches von zwei Künstlerinnen zu sehen. Viele von Ljerka Wohners wuchtig-kraftvollen oder zart und doch energiegeladenen Acrylmalereien bzw. Collagen mit Naturmaterialien und Papier haben keinen Titel oder heißen einfach „Abstraktion“ oder „Kleinformat“ – man muss sie sich ansehen und wirken lassen. Grob strukturiert und/oder im Hell-/Dunkel-Kontrast, oft auch in wenigen Farben mit stufenlosen Übergängen und vielen Schichten, die wirklich „grenzenlos“ zu sein scheinen – und dem Werk überraschende Tiefe verleihen. Die gelernte Grafikerin (Lithographie) hat von klein auf gemalt und gezeichnet; im Laufe der Jahre bildete sie sich zur Malerin aus, arbeitete mit Aquarell, Öl, Pastell und schließlich Acryl. Die komplexen Collagen entstünden oft aus Bitumenlack, Kreide, Ölpastell und Acryl in übereinander aufgetragenen Schichten. Das immer wieder Verwerfen und von vorn Beginnen spiegele ihre Empfindungen und inneren Prozesse wider, sagt sie, und der aufmerksame Betrachter spürt, dass es hier nicht um vorgegebene Strömungen oder Pläne geht, sondern um spontane Entwicklungen „aus dem Bauch heraus“, und entsprechend eindringlich sind die Ergebnisse.

L.Wohner u. G.Kaule im Speicher Foto: Mallmann

Wohner und Kaule haben sich bei einem gemeinsamen Malkurs in der Toskana kennengelernt. Vom Stil her zusammenpassende Werke haben sie auf der unteren Speicher-Ebene zusammengestellt; dazu gehören farbenfrohe gegenständliche Aquarelle von Kaule, ursprünglich Biologieingenieurin, die über einen Kunstmarkt zur Malerei kam und sich seit 1990 in zahlreichen Malerei- und Druckgrafikkursen immer neue Techniken aneignet.

Sie spricht von einer Offenbarung: Farben, Formen, Überschneidungen, Natur und vor allem „Sehen“. Auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, ihren Eindrücken Ausdruck zu verleihen, stieß sie auf Tiefdrucktechniken: Im oberen Bereich des Speichers sind Werke wie „Zauberschloss“ oder „Dresden, Frauenkirche“ in Aquatinta zu sehen, die wie feine Zeichnungen in Schwarzweiß wirken, „Eiswelt“ dagegen hat einen bläulichen Einschlag, der geradezu zum Frösteln anregt... Farbig umgesetzt sind auch afrikanische Einflüsse in „Im Sudan“ oder „Durch die Wüste“; eindrucksvoll auch „In Bhutan“ ganz in Gelb.

Bei dieser Technik müsse die Malfläche zunächst aufgeraut werden, erklärt sie, dann mit Kolophonium bestreut und nach dem Erhitzen geätzt werden – die Dauer der Ätzung bestimme die Farbe. Wenn nach 30 Minuten Ätzung tiefschwarz übrig bleibt, müsse also vorher alles abgedeckt werden, was weiß bleiben soll. Dazu gehöre viel Konzentration und Überlegung, und danach fühle sie sich wie in einem Krimi, fügt sie hinzu, und diese Spannung zeigen auch die Exponate.

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