Feier mit Träne im Knopfloch im „SPEICHER“

Von Marion Diefenbach IDSTEIN - Der malerische Innenhof mit all seinen Nischen ist liebevoll geschmückt und mit Veranstaltungspostern der vergangenen zehn Jahre versehen. Überall stehen selbst zubereitete Häppchen bereit. Der gesponserte Wein wird von Familienmitgliedern ausgegeben, „Ain’t no sunshine“ tönt in mitreißenden Gitarrenvariationen der hochkarätigen Jazzband Tri-o-lait (Martin Seebens, Manfred Crössmann, Willy Eltgen und Bettina Schwer) aus dem Innenraum auf der oberen Etage durch die offenen Fenster zu den zahlreichen Besuchern ins Freie, wo leider zunächst wirklich kein Sonnenstrahl zu sehen ist. Die ganz überwiegende Mehrheit der Gäste der Feier zum zehnjährigen Bestehen des „Speicher“ hat selbst schon dort ausstellen oder die eigene Kunst präsentieren können, und so hat Betreiberin Reike Veldman kaum Arme genug, um die Blumen und Geschenke entgegenzunehmen. In einer bewegenden Ansprache schildert sie die Entstehung des Kulturforums „Speicher“ in der 1704 erbauten ehemaligen Brauerei Merz, in der sie nach Schicksalsschlägen aus eigener Kraft und eigenem Antrieb am 17. Juni 2005 das Atelier eröffnet hat. „Speicher“ als Ableitung vom lateinischen „spicarium“ sei die Bezeichnung für einen wertvollen Raum zur Aufbewahrung – auch in der EDV und unserem Gehirn – und drücke so ihre Absicht aus, „Nahrung für die Seele zu speichern“, indem sie möglichst vielen ausländischen wie regionalen Künstlern Gelegenheit zur Präsentation gebe. Mangels praktischer und finanzieller Mithilfe etwa von Kulturring oder Stadt sowie zunehmender Konkurrenz unter anderem durch die Galerie Artefact und den Kulturbahnhof sei sie allerdings gezwungen, das Kulturforum Ende des Jahres „auf der Höhe des Erfolgs“ einzustellen, da es mehr und mehr zum Zuschussbetrieb werde, auch wenn sie „sehr viel Spaß“ daran gehabt habe, so Veldman.

Reike Veldman mit Gästen. Foto : Mallmann

Zu den Programmpunkten der Matinee gehören Darbietungen der „Tonsüchtigen“ (Silke Walde und Michael Knopke) in Form klassisch angehauchter Interpretationen etwa von „Ich hab getanzt heut Nacht“ oder „I feel pretty“, sowie das „Duo2sam“ (Birgit Bentler und Wolfgang Hocke), das zu Gitarrenklängen das Thema Beziehungen zwischen Melodram und bissiger Satire („Go Jonny go, wenn du weg bist, bin ich froh“) in gekonnten Akzent- und Dialektvariationen verarbeitet. Auch das Kabarett-Duo „Allerhand“ (Christina Ketzer und Carola von Klass), das seit fünf Jahren regelmäßig im Speicher zu erleben ist, serviert einen Sketch zur Partnervermittlung „Nimmisch uff Hessisch“ und parodiert zwei angetrunkene Damen am Rande von Veranstaltungen, eine davon auf der Mopsmesse auf der Flucht vor dem „Schwipsschwager“. Es folgen stilvolle Eigenkompositionen mit Gitarre von „Ar Lonz“ (Angela Fischer und Rolf Lonz), bevor Tri-o-Lait mit Jazz, Bossanova und Weltmusik den Frühschoppen ausklingen lässt.

Alle Meldungen