Kunstwerke von Inge Eckerth im Idsteiner Kulturspeicher

Aus der Idsteiner Zeitung: Von Marion Diefenbach Lebensgroße Papierkleider aus Telefonbuchseiten, Back- und anderem Papier an den Wänden im Aufgang zum Speicher beeindrucken durch die Intensität ihrer Ausstrahlung. Das ist auf der Vernissage der Ausstellung von Inge Eckert im Idsteiner Kultur-Speicher zu sehen. Namenlos – wie übrigens auch alle anderen Werke von Inge Eckert – lassen sie, absichtlich ohne verbale Begrifflichkeit, dem Betrachter unvoreingenommen Raum zum Hineinvertiefen und Wirkenlassen. Papierobjekte Auf der Etage dann noch eine Steigerung: auf Draht in Körperform aufgezogen ein langes weißes Papierkleid mit zarten Details und von verwirrend anmutiger Schönheit. Auch andere, nur mit dem Preis ausgezeichnete Papierobjekte wie etwa Geweihe ziehen in ihrer Rätselhaftigkeit magisch in ihren Bann – und irgendwie liegt über allem auch ein Anflug von Vergänglichkeit…

Inge Eckerth mit Ihren Werken. Foto Mallmann

Magisch und von ästhetischer Tiefe sind auch die abstrakten Kollagen, oft dunkel in Schwarz-Weiß-Braun gehalten, manchmal aufgeheitert durch Rosa- oder Rottöne, mit Holzscheiten, Karton oder Netz-Geschenkband. Hinter dem schlichten Titel „Arbeiten auf Papier und Objekte“ der Ausstellung von Inge Eckert im Speicher verbergen sich Kunstwerke einer geheimnisvollen Sprache und kraftvollen Kreativität.

Eigene Bildsprache

Ein Kunstwerk drücke immer mehr aus als ursprünglich vorgesehen, es sei eine „Idee in sinnlicher Erscheinung“, las Helmut Schneider aus einem Text von Jürgen Schirmacher, beide mit Eckert persönlich bekannt. Als „Abenteurerin“, vor der weder Farben, Hölzer, Papier oder Geweihe sicher seien, beschrieb Schirmacher die Künstlerin. Und auch ihr Ehemann Hannes Eckert hat seine eigene Sicht der Kunst in denkwürdige Worte gefasst: Sie müsse etwas herstellen, das etwas sein soll und doch nichts ist, wurde er zitiert.

Sie wolle „Gesehenes und Gelebtes in ihre eigene Bildsprache übersetzen“, sagte Eckert selbst, die erst mit über 60 Jahren zur Kunst kam und bislang vorwiegend der Acrylmalerei nachging, denn „es ist ein wunderbarer Weg, sich mehr oder weniger zu reduzieren“.

Ursprünglich von einem Bauernhof stammend und eher handwerklich geprägt, komme ihr die Mischtechnik sehr entgegen, mit der sie „Bilder bauen“ könne. In zwölf Jahren habe sie sich das nötige „Handwerkszeug“ bei Dozenten, in Sommerakademien und so weiter beschafft; entscheidend sei jedoch die „sehr große Begeisterung“, die „Versuchung zu machen“, fügt sie erklärend hinzu.

Für Kulturpreis nominiert

Die Hinwendung von der reinen Malerei, mit der man „sich austoben“ könne, zu großen und kleinen Objekten aus Papier vergleicht sie mit der kreativen Entwicklung bei Kleinkindern: Ähnlich dem anfänglichen Kritzeln und Malen über das Ausschneiden und schließlich das Formen und Bauen etwa von Papierfliegern, sei sie nun mit den Objekten an einem anderen Punkt angekommen, aber „die Faszination wächst noch…“, so Eckert, die übrigens auch in diesem Jahr für den Kulturpreis nominiert ist.

Die Ausstellung im Idsteiner Kultur-Speicher ist noch bis einschließlich Sonntag, 22. März, geöffnet.


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