Augen-Blick-Licht

Ausstellung von Brigitta Adam-Schmidt und Rheinhold Rippert im SPEICHER Aus der Idsteiner Zeitung : Marion Diefenbach IDSTEIN - Amalia und Lina, neun und elf Jahre alt, gehören zu den Mädchen, deren fast schon fotografische Aquarellporträts von Reinhold Rippert bis zum 14. Dezember im Treppenhaus des Speichers hängen. Das Besondere: Daneben hängt jeweils ein von ihnen selbst gemaltes Bild mit dem Titel „Reinhold, wie ich ihn sehe“, und sie haben ihn ziemlich gut getroffen … Das Leben sei eine Aneinanderreihung von Augenblicken, sagte Rippert zur Eröffnung der Gemeinschaftsausstellung mit Brigitta Adam-Schmidt. Wenn diese Aneinanderreihung zur Routine geworden sei, könne man Ruhe und damit Zufriedenheit finden, ergänzte er. Nach Abschluss seiner Berufstätigkeit habe er nun mehr Zeit, sich seinem lebenslang verfolgten Hobby zu widmen. Neben puristischen Filzstiftskizzen („Ballett 1-5“) beeindrucken vor allem die großformatigen Tuschezeichnungen auf Chinapapier mit Untermischung von Aquarellfarben und – wie in China üblich – mit selbst in Stein geschnittenen Stempeln. Er habe sich einfach aus Interesse in diese fernöstliche Technik selbst eingearbeitet, erläutert Lippert. Humor blitzt auf Humor blitzt auf in Bildtiteln wie „Die Libelle“, wenn zwei Drittel der Zeichnung von einem Fuchs eingenommen werden, der das Insekt beobachtet. Auch die nackte Schöne mit dem Fotoapparat, gemalt von hinten unter dem Titel „Demographie“, lässt den Betrachter schmunzeln… „Bilder sind immer auch ein Spiegelbild,“ führte Brigitta Adam-Schmidt in ihre Ölmalereien ein, die von erstaunlicher Farbtiefe und Intensität sind. Situationen wie etwa Fukushima 2011 fänden ein inneres Echo, und die ausgelösten Gefühle – in Malerei umgesetzt – seien der Versuch, das Wesentliche festzuhalten. Ihre thematisch auf Japan bezogenen Werke wie etwa die verschlossenen Gesichter ihrer „Politiker“ im blauen Hemd und dunklen Anzug oder die „Kinder, die Blumen binden“ sind von frappierender Authentizität, obwohl sie Japan nie besucht hat. Sie habe „sich eingefühlt“, kommentiert sie, und das ist auch an anderen Motiven wie dem „Arabischen Frühling“ oder „Auf der Flucht / Syrien“ durchaus nachvollziehbar, die ein deutliches Statement vermitteln. Von herrlich düsterer Schönheit in Grün/Blau und Nebel ist ihre „Straße im Novemberlicht“; der „Blaue Raum“ beeindruckt durch akkurate plastische Tiefe. Besonders anrührend ist das Ölporträt eines zarten, ernsten Mädchens mit riesigen Augen durch die Intensität des Blicks – ihrer Tochter.

Die Künstler

Zahlreiche Aktzeichnungen von Rippert und weitere ungerahmte Ölwerke von Adam-Schmidt liegen oberhalb des Atelierraums aus, und ein Besuch im Speicher könnte eine selten gewordene Reaktion auslösen: staunen.






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