Im Bann einer anderen Welt

Aus der Idsteiner Zeitung von Marion Diefenbach : Im Bann einer anderen Welt. Ausstellung der indischen Malerin Hema Mehta eröffnet Idstein. „Ghandi am Spinnrad“, eine Bleistiftzeichnung: Mahatma sitzt mit hängenden Schultern, die Beine verschränkt, den Blick nach unten gerichtet, dazu das Motto: „Be the change that you wish to see in the world“. Die indische Künstlerin Hema Mehta lebt nach diesem Motto. Für ihre ganz besondere Ausstellung „Namaste – Coulours of India“ im Idsteiner Speicher ist sie gemeinsam mit ihrem Mann erstmals nach Deutschland und nach Europa überhaupt gekommen; sie will ihre Bilder nicht verkaufen, sondern zur kulturellen Verständigung beitragen, indem sie die kulturelle Vielfalt und reichen Traditionen ihres Landes präsentiert und für Toleranz und Offenheit wirbt.

Hema Mehta mit Ihrem Ehemann im SPEICHER

Landschaften, Blumen, Tiere, Menschen, Tempel, Gottheiten, Tanz und Armut – die Vielfalt Indiens mit Bleistift, Buntstift, Wasserfarben, Acryl und Öl, abstrakt, figurativ oder in Rajasthani-Miniaturmalerei beeindrucken durch kräftige Farben in teilweise ungewohnter Zusammenstellung, experimentelle Techniken oder die Schlichtheit von Bleistiftzeichnungen mit starker Aussagekraft, vor allem jedoch ihre gleichmütige Ausstrahlung. Flamingos mit verschlungenen Hälsen, die gesenkte Blicke tanzender Frauen sowie einer Frau mit Reh im Arm, die Armut, die kein Gesicht hat in „Poverty shining bright in the Dark“… gewisse Demut und Selbstversunkenheit scheinen wesentlich. Die ganz überwiegend unfokussierte Darstellung der Objekte wie aus einer Beobachterperspektive passt zur Grußgeste „Namaste“, die Ehrerbietung für andere Menschen sowie für das Göttliche ausdrückt.
Der kleine – bei Mehta türkisfarbene - Elefant „Ganesha“ (Lord of Fortune) ist in Indien eine der beliebtesten Formen des Göttlichen; sie gehe nicht in Tempel zum Beten, erklärt Mehta im Gespräch auf Englisch, aber sie bitte Ganesha hin und wieder um seinen Segen, obwohl sie Christin sei, sagt sie lächelnd.
Für 15 Tage sei sie in Deutschland, unter anderem, um ihren „Sohn“ zu besuchen, erzählt die studierte Malerin und Kunstlehrerin, nein, ihr „echter“ Sohn sei zuhause. Aber Simon Rudat aus Hamburg, der über AFS Interkulturelle Begegnungen e.V. ein Austauschjahr in Rajkot im Bundesstaat Gujarat bei den Mehtas verbracht hat, ist aus Hamburg nach Idstein gekommen, um seine Gastfamilie wiederzusehen und mit seinem Land vertraut zu machen.
Hema Mehta steht nicht gern im Mittelpunkt, hält auch keine Ansprache – es sei ein Traum gewesen, und sie sei überrascht, dass er heute wahr werde, sagt sie vor den Vernissagebesuchern lediglich. Im persönlichen Gespräch spricht sie sofort die Einladung aus, sie in Indien zu besuchen. Ihr Herzensanliegen, das Bemühen um die Kunst und den kulturellen Austausch, fasst sie klar zusammen: „Painting is intercultural understanding without words“, und man hat das Gefühl, im Speicher im Bann einer anderen Welt zu sein.
Die Ausstellung ist noch bis zum 26.10. Samstag und Sonntag von 11.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.

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