Viel Kraft und Spannung

Gabriela Arellanos Ausstellung "Parallelwelten" im Idsteiner Speicher eröffnet. Aus der Idsteiner Zeitung von Marion Diefenbach IDSTEIN - Dass sie in Granada, Nicaragua, geboren ist, lässt sich – schon allein am leuchtenden Maya-Blau – an einigen ihrer Bilder erahnen. Viel von der Spannung und Intensität ist wahrscheinlich auch darauf zurückzuführen, dass Gabriela Arellano in Niedernhausen lebt und in Wiesbaden arbeitet, „Leben und Schaffen in entfernten Welten“, wie sie es nennt. Hinzu kam im Jahr 2000 eine neue Inspirationsquelle in Form des Eintauchens in die kulturelle Einflusssphäre des Senegal. Aber nicht nur auf diese Tatsache bezieht sich der Titel „Parallelwelten“: Viele kleinformatige Malereien in Öl auf Papier oder Malplatte sind im Speicher zu sehen, aber auch sehr große Werke in Acryl auf Leinwand – und das sei „etwas ganz anderes“, sagt die Künstlerin, die grundsätzlich ohne Themenvorgabe arbeitet, sich nach eigener Aussage „mit Farbe auseinandersetzt, um zu sehen, was daraus wird“. Ringen um die Form Von ihrem „steten Ringen um die richtige Form“, ihrer Vorliebe für „einen organisch anmutenden Formenkanon“ spricht Daniel Altzweig, Kunstpädagoge am Landesmuseum Wiesbaden, der als langjähriger Kenner von Arellanos Werken die Eröffnungsrede zu ihrer Vernissage im Rahmen der T’Art-orte hält. Dabei gehe es um ein Spektrum mit biomorphen Formen wie etwa solche, die an menschliche Körperfragmente erinnern, oder embrionale sowie aus der Botanik entlehnte Strukturen, die sie in mehr oder weniger abstrakte Flächenkompositionen überführe, so Altzweig. Tatsächlich spielen Abstraktion und Verfremdung eine große Rolle, Begriffe wie „informell“ und „Konstruktivismus“ sind prägend für Arellanos Kreationen. Im Vordergrund des schöpferischen Prozesses steht jedoch die Intuition der Künstlerin. Die Suche nach neuen Formen, mit denen sie sich selbst „zu überraschen und zu überwältigen“ sucht, sei letztlich eine Ideenfindung, sagt sie, und wenn sich die anfängliche Idee nicht als tragfähig erweist, wird übermalt, getilgt, abgekratzt oder sogar verworfen. Jede Komposition muss „im Gleichgewicht sein“, ohne spannungslos zu werden, und „in dem Moment, wo man anfängt zu denken, verliert man die Kraft“. Auch Bildhauerei Kraft und Spannung strahlen sie aus, ihre Bilder, ebenso wie die wenigen Beispiele für ihre bildhauerischen Werke im Speicher. Dass die meisten davon keinen Titel haben, mag mit diesem intuitiven Entwicklungsprozess zusammenhängen; nur zwei Malereien – Silencio I und II – sind auf der Basis eines Fotos entstanden, das mit Öl auf Malplatte in Schwarz-Weiß verfremdet wurde und eindringlich verstörend wirkt. Eine Serie „Mural schwarz/gelb“ zeigt Wandstrukturen in Ocker und Hellblau; von beeindruckender Farbtiefe ist „Leona“ in Acryl auf Leinwand, das – wie die meisten anderen Werke – mit Ornamenten und Zierformen spielt und gleichzeitig spannungsgeladen den Betrachter in seinen Bann zieht.

Gabriela Arellano mit ihrem Werk

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