Sonnenkulte im trüben November

Im Idsteiner „SPEICHER“ ging die Sonne auf als Dr. Winfried Rathke seinen hochinteressanten Streifzug durch die Geschichte der Sonnenverehrung der Völker dieser Welt mit Lichtbildern begann. In den alten Hochkulturen des „Fruchtbaren Halbmonds“, Ägypten, Vorderasien und Zweistromland wurde die Wärme und Fruchtbarkeit spendende Sonne kultisch verehrt. In Ägypten galt der Pharao als Sohn der Sonne. Vor den Tempeln für Amun-Re standen Obeliskenpaare als symbolische Sonnenstrahlen. Mit seiner markanten Federkrone ,dem Symbol von Sonnenstrahlen, auf dem Kopf dominierte der Reichsgott das übrige Pantheon. Echnaton verehrte mit Aton die Sonnenscheibe und schaffte alle anderen Kulte ab. Dieser erste Monotheismus der Kulturgeschichte endete schon nach wenigen Jahren. In Mesopotamien gab Sonnengott Schamasch dem König Hamurabi seine berühmte Gesetzesstele, die Hethiter benutzten die geflügelte Sonnenscheibe auf ihren Orthostatenreliefs. Mit den Siegeszügen Alexanders des Großen fand der griechische Helioskult seine Verbreitung. Der Delphische Apoll wurde zu einer neuen Lichtgestalt, schuf Klarheit und apollinische Ordnung, bis in römischer Zeit der aus Persien stammende Mithras in Höhlen und Grotten angebetet wurde

Der Sonnenkönig Echnaton

Nach Einführung des römischen Sol invictus fand aber auch das Christentum Verbreitung. Christus galt fortan als Licht- und Heilsbringer, Kirchen wurden mit ihren Altären gen Osten ausgerichtet. Der Strahlenkranz des Helios konfluierte zum güldenen Nimbus, den nun auch alle übrigen Heiligen zugeordnet bekamen. Ikonographisch große Ähnlichkeit mit antiken Philosophen hatten die frühen Buddhabilder in der Gandhara-Region. Einen Sonnenwagen wie Helios zog der indische Surya, wobei die Dekors am großen Sonnenwagen von Konarak auch freizügige tantrische Bildthemen zeigen. In Südamerika beteten Inkas die Sonne an und fertigten entsprechende Goldfigurinen. Die Sonnenblume stammt aus den Anden und wanderte mit spanischen Eroberern nach Europa. Und heutige Sonnenanbeter möchten einen „gesunden braunen Teint“ haben, obgleich die Medizin vor den negativen
Folgen der UV-Strahlen warnt
Nach den 150 interessanten Lichtbildern ergab sich ein anregendes Gespräch mit den Gästen.

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