Tonarbeiten als Metaphern

Aus der Idsteiner Zeitung von Susanne Gross. Gedacht, geformt, gebrannt: Ideen - hochgebrannt. So heißt der Titel der aktuellen Ausstellung im Idsteiner Kulturforum Speicher. In der vierten Gemeinschaftsausstellung der Glashüttener Künstlergruppe Ines Nickchen präsentieren zwölf Frauen auf drei Etagen und im Dachgarten Bilder, einen Tischbrunnen, Gefäße, Skulpturen und Objekte. Deren Vielfalt und Unterschiedlichkeit ist das verbindende Element dieser Werkschau mit Arbeiten aus den letzten zwei Jahren. In der Ausstellung werden persönliche Vorlieben der Frauen im Alter zwischen 35 und 75 Jahren sichtbar. Die unterschiedlichen kulturellen Hintergründe der multinationalen Gruppe erweisen sich als zusätzliche Bereicherung und weiteren Einflussfaktor. Manche Arbeit gibt ihre Quelle preis, etwa Vorlagen in Büchern, andere bleiben phantasievoll individuell. Mal steht der Menschen im Mittelpunkt der Ausstellungsstücke, dann wieder Dekoratives. Präzise ausgearbeitete Formen stehen frei geformten Objekten gegenüber. Kunst kommt als Metapher daher oder als Abbild von Schönheit.

Der Pillendreher von Ines Nickchen

Ines Nickchen, die Leiterin und erfahrene Lehrerin der Gruppe, präsentiert eine Auswahl ihrer hauchdünn geformten Gefäße mit asiatischen Motiven sowie einen übergroßen Skarabäus. Markant ist ihre Arbeit „Mut ist, Verbrechen zu beweisen, die angeblich nie passiert sind“. Dafür stellt sie keramische Buchstaben, Paragraphen und Fragezeichen in eine Art Setzkasten, der ebenso an ein vergittertes Fenster oder ein Triptychon erinnert.
Ilka Blumberg präsentiert Tonarbeiten als Metaphern. Bei ihrer Arbeit „Die Leichtigkeit des Seins“ bilden an Lebkuchenmänner erinnernde Schablonenfiguren eine Pyramide, Federn verleihen dem Schwebeakt etwas Spielerisches.
Sanja Breslauer präsentiert Vasen und Gefäße. Markant sind die floralen Dekorationen auf einer Rosenvase und die sichelförmigen Durchbrüche in den Deckeln der meergrün glasierten Gefäße.
Aliona Chernyk-Küngs Gefäße wirken robust und rustikal. Dabei verschmelzen die floralen Dekorationen unter einer zarten Glasur in braun und blau.
Filigrane Schalen, aus denen exotisch wirkende Blüten wachsen, präsentiert Jutta Delpy.
Gudrun Freitag pendelt zwischen exakt ausgeklügelten abstrakten Bildern und fantasievollen Skulpturen. Bei „Der blaue Mauritius“ lugt ein blauer Krebs aus einer Muschel heraus. Seine Gliedmaße und zwei mit Scheren besetzte Arme tasten in die Welt vor dem Gehäuse.
Die Schalen und Gefäße von Annemarie Greisner zeichnen sich einerseits aus durch glatte Kanten und sichtlich gestalteten Formen. Andere wiederum wirken wie aus Knetteig geformte Stücke, deren Ränder charakteristische Unebenheiten aufweisen.
Margot Koch widmet sich den Themen Mensch und Abstraktion. Ihre Arbeit „Die kleine Meerjungfrau“ zeigt eine auf Sand gestrandete Nixe, die von einem Fischer aus dem Netz befreit wurde.
Margot Obermüller geht ganz eigene Wege indem sie durchfärbtes Porzellan in Neriagetechnik gestaltet. Auf ihrem Gebrauchsgeschirr ragt ein Berg hinter einem farbengfrohen abstrakten Dorfleben auf.
Heike Tichai zeigt acht aufwendig gestaltete Keramikbilder. In ihrem „Brückenbild Nr. 39“ gestaltet sie eine Szene, in der Arbeiter mit Säcken bepackt über ein Holzbrücke auf ein Dorf zustreben.
Trudi Trautmann setzt auf Menschen in Form von Köpfen und Skulpturen. Amüsant ist die Figur „Grazie im Minirock“. Eine Frau in bewegter Körperhaltung trägt um die Hüften eine eng anliegend purpurfarbene Spitzenmanschette.
Sabine Zekorn-Löffler hat in „Flower Power“ ein Objekt geschaffen, das Blumengestecke aufnehmen kann. In die dunkele Oberfläche der flachen Arbeit sind unregelmäßig geformte Farbtupfen aus pulverisiertem Glas eingearbeitet.

Die Ausstellung „Ideen - hochgebrannt“ ist im Idsteiner Kulturforum Speicher, Borngase 23 bis zum 18. August zu sehen. Öffnungszeiten: Mittwoch, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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