„Wer ist Frau Maier ?“ aus der Idsteiner Zeitung vom 11.07.2

von Susanne Gross Zu „Geschichten in Stein und Farbe“ laden zwei Taunussteiner Künstlerinnen in das Idsteiner Kulturforum Speicher ein. Ingrid Klepper und Helga Krause präsentieren in ihrer ersten gemeinsamen Ausstellung in Idstein Ölmalerei und Plastiken aus Marmor, Granit, Sandstein und Kalkstein. Dabei ergänzen die realistischen bis fantastischen Bilder von Ingrid Klepper die eindrucksvollen Steinarbeiten ihrer Kollegin Helga Krause. Der Titel ist gut gewählt, denn sowohl die Bilder als auch die Plastiken laden die Betrachter dazu ein, sich mit ihnen auseinanderzusetzen, sie auf sich wirken zu lassen, um ihre Aussage zu erfassen und sie zu entschlüsseln

Der Dritte im Bunde

Ingrid Klepper zeigt vierzehn Arbeiten, die seit dem Beginn der neunziger Jahre entstanden sind. In ihren Gemälden stellt sie zumeist Menschen als Portraits oder Metaphern für Emotionen ins Zentrum ihrer Aufmerksamkeit. Dabei reicht die Palette ihrer Darstellungsweise von realistisch über kubistisch bis zu fast surrealistisch gestalteten Arbeiten. Die farbintensiven Bilder belegen die Vielfalt ihrer Umsetzungsmöglichkeiten. Von den Kubisten inspiriert, zeigt sich Ingrid Kleppers Bild „Der Dritte im Bunde“. In klar voneinander abgegrenzten Farbflächen präsentiert sie ein eng zusammenstehendes Paar. Dahinter ist ein maskierter Mann zu sehen. Der Betrachter kann spekulieren, in welchem Verhältnis die geheimnisvolle Gestalt zum Paar steht.
Das Gemälde „Frau Maier“ wirkt, als ob von oben nach unten Farbe über die Leinwand läuft und sich aus diesem Fluß das Gesicht einer Frau mittleren Alters entwickelt. Teilweise sind einzelne Flächen mit Linien voneinander getrennt und stützen den weichen Verlauf der Komposition. Das Bild wirft Fragen auf: Wer ist diese Person? Welche Persönlichkeitsmerkmale legen eine derartige Gestaltung nahe? Bei „Engel Schmitt“ greift Ingrid Klepper auf das gleiche Verfahren zurück. Hier entsteht zudem der Eindruck, als ob die Frauengestalt in einer Landschaft untergeht oder sich aus ihr heraus gestaltet.
Helga Krause haben es Steine angetan: In unterschiedlichen Größen und in verschiedenartigen Farben. Sie gestaltet vorzugsweise Themen, die sich der Natur widmen: Einen aufbrechenden Samen, Wellen, einen Tierschädel oder Blätter. Dazu ergänzen abstrakte Formen und Menschen ihre Palette. Die ausgestellten Skulpturen stammen aus den letzten zehn Jahren.
Helga Krauses Arbeitsweise zeugt von einer großen Bereitschaft, mit dem Material in einen intensiven Dialog zu treten. So gestaltet sie die Arbeit „Blätter“ aus Serpentin. Dabei integriert sie geschickt die charakteristischen grünen und braunen Gesteinsschichten und unterzieht das Material einer künstlerischen Bearbeitung. Helga Krause nutzt die überdimensionale, geschwungene Form und gestaltet eine Aufsicht, die sowohl an ein schmales Ginkgoblatt als auch an ein Buchenblatt erinnert. Einen Teil der Oberfläche hat Helga Krause glatt poliert, doch links prägen fein gemasert Linien in unterschiedlicher Dicke und Länge die Oberseite.
Die Arbeiten „Junge Frau in Schwarz“ ist eine Plastik aus schwarzem Kalkstein. Ein voluminöses Tuch schmiegt sich eng um ein dunkles Antlitz. Das Schwarz des Steins kann als Zeichen der Trauer oder als Hinweis auf die Nationalität der Dargestellten gedeutet werden. Bei der Plastik „Schleier“ hat Helga Krause aus hellem Marmor das Halbprofil einer Frau wie aus einer Grabplatte herausgearbeitet. In vier feinen Falten legt sich ein Tuch über das Antlitz und selbst Mund und Kinnpartie sind zart verhüllt.

Die Ausstellung „Geschichten in Stein und Farbe“ ist im Idsteiner Kulturforum Speicher, Borngasse 23 bis zum 21. Juli zu sehen. Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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