„Aktuelle „ aus der Idsteiner Zeitung

Von: Susanne Gross „Aktuelle“ lautet der Titel der neuen Ausstellung im Idsteiner Kulturforum Speicher. Das Motto verdeutlicht: Es geht um Akte und um neue Bilder. Daniela Vittinghoff präsentiert in ihrer ersten Einzelausstellung Aktgemälde aus den letzten drei Jahren. Mit 28 Arbeiten ist die in Hamburg lebende Malerin angereist. In ihren Acrylbildern huldigt sie dem Leib. Sie zeigt den menschlichen Körper in seiner unbekleideten Form. Daniela Vittinghoff scheint ihr Thema und ihre Technik gefunden zu haben: Mit einem Spachtel trägt sie Acrylfarbe auf die Leinwände auf und modelliert zart nuancierte oder unifarbige Hintergründe. Davor setzt, stellt oder legt sie zumeist Frauenkörper.

feminin II

Daniela Vittinghoff setzt auf eine ästhetische Darstellungsweise. Den Idealmaßen eines Modells oder einem fast männlich wirkenden Frauentypus verleiht sie die gleiche Würde.
Charakteristisch für die Bildausschnitte ist, dass die Malerin fast ausschließlich Torsi zeigt. Zumeist enden die Körper der Frauen und wenigen Männer an den Oberschenkeln und Unterarmen. Sofern Füße oder Hände im Bild erkennbar sind, reduziert sie deren Form. Köpfe und Gesichter belässt sie flächig. Daniela Vittinghoff konzentriert sich auf den Leib der Personen, auf deren charakteristischen Rundungen.
Dabei wirken die Arbeiten sehr plastisch. Der Malerin gelingt es, die aufgetragene Farbe so zu modellieren, dass die Oberschenkel. Hüften übereinander geschlagenen Beine und Brüste lebendige Fülle ausstrahlen.
Zumeist beschränkt sich Daniela Vittinghoff auf eine Figur pro Bild. So bei der Arbeit „stehend“. Der Körper der aufgerichteten Frau wirkt kompakt. Dieses Merkmal unterstreicht Daniela Vittinghoff, indem sie deren Haut in Farbtönen und Schichten angelegt, die wie die Oberfläche eines Steins wirken. Diese Illusion von Stabilität, lässt die Figur fast wie eine Statue wirken. Sie strahlt Unerschütterlichkeit aus und wird zu einem Monument für weibliche Kraft.
Im Kontrast dazu steht die Arbeit “Unschuld“. Eine offenbar noch junge Frau sitzt vor einer hellen Fläche, die wie ein zerknittertes Laken wirkt. Durch ihren in gelber und grüner Farbe gemalten Körper schimmert dieses Weiß hindurch. Diese Transparenz unterstreicht den Ausdruck von Zartheit und Zierlichkeit. Lediglich die Brustwarzen leuchten rot.
„Mr. und Mrs. Duo“ - eine zweiteiligen Arbeit. Hier genügen Daniela Vittinghoff markante Linien aus Blattsilber, um die beiden Figuren aus dem blauen und grautürkisen Hintergrund hervorzuheben.
In den aktuellsten Bildern herrschen hingegen oftmals Grau und Anthrazit bei den Farben vor, etwa bei der Arbeit „feminin II“. Dieses Gemälde zeigt die Rückenansicht einer Frau. Der Körper wird von oben nach unten dunkler und endet an den Oberschenkeln in einem tiefen grau.
Eine Besonderheit bildet die Arbeit „Sitzende“. Hier hat Daniela Vittinghoff zunächst den Hintergrund in gewohnter Arbeitsweise in Acryl gemalt. Schwarz und Blau dominieren. Die mit angezogenem Bein posierende Frau dreht dem Betrachter den Rücken zu. Die Konturen dieser Figur hat die Malerin allerdings mit Ölkreide gearbeitet.
Die Ausstellung „Aktuelle“ ist im Idsteiner Kulturforum Speicher, Borngasse 23, bis zum 29. Juni zu sehen. Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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