Pflanzenporträts

Von: Susanne Gross Die beiden weißen Calla-Blüten sind übergroß. Ihre Blütenköpfe ragen diagonal gestaffelt in das hochformatige Bild. Den Hintergrund des Gemäldes füllt ein dunkles Blatt, dessen Maserung die diagonale Bildlinie fortführt. Ein Pflanzenportrait - gemalt von Sabine Schedler. Die in Eppstein beheimatete Malerin stellt erstmals ihre Ölgemälde im Rahmen der tArt-Orte im Idsteiner Kulturforum Speicher aus. „Pflanzenportraits und Stillleben“ hat die Malerin ausgewählt und präsentiert über zwanzig ihrer Arbeiten - entstandenen seit dem Jahr 2000. Sabine Schedler hat an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule in Halle studiert und ihre Sensibilität für die Formgebung als Keramikerin geschult. Vor mehr als zehn Jahren begann sie, die von ihr geschaffenen Gefäße zu malen und deren Volumen auf die Leinwand zu bringen. „Meine Farben reichen bei den Stillleben von rohem Ton über Fayencen bis hin zur Tönung alter Flaschen aus meinem Besitz“, erinnert sie sich an die ersten Bilder. Dabei zeigte sich deutlich der Einfluss ihres Studiums: Die erworbenen Kenntnisse für Gestaltung besitzen eine allgemeine Gültigkeit, die sich auch auf die Malerei anwenden lassen. So platziert Sabine Schedler in drei einander ähnelnden Stilleben Flaschen in unterschiedlicher Größe sowie Zitronen und Orangen zu einem ausbalancierten Arrangement. Die Palette der Farben ist dezent und zart abgestuft: Von rosé, beige, grau bis zu Pudertönen. Fast wie von einem Nebel umgeben, dringen die Konturen der Objekte an die Oberfläche. Markant sind die sanften Übergänge. Lediglich die Ecke eines Raumes und die Kante der Abstellfläche sind präzise zu erkennen. Alle anderen Details schlummern wie unter einem weichen Schleier. Die Bilder und Gefäße wirken wie aus einer fernen Zeit und doch zeitlos. Eine geradezu meditative Stille geht von ihnen aus. Charakteristisch für die Gestaltung ihrer Blumenbilder ist die übergroße Darstellung der Blüten, verbunden mit dem Verzicht auf weitere Accessoires. Sabine Schedler zeigt Amaryllen, Dahlien, Gladiolen und Agaven. Bei ihrem Bild mit dem Titel „Weihnachten“ hat Sabine Schedler drei Zweige erblühter Amaryllen in einer Vase arrangiert und in einem Dyptichon dargestellt. Die beiden Bildtafeln treffen in der Mitte der Vase aufeinander. Hier mischen sich Stilleben und Blütenbild, denn seitlich der Vase liegen exotische Früchte auf der Fläche – ein Granatapfel, Zitronen, ein Pinienzapfen. Ebenso dezent doch kräftiger sind hier die Farben. Der Bildhintergrund schiebt sich von hellen Rändern hin zu einem dunklen Rot hinter der Vase. Bei ihren Bildern vergrößerter Agaven, mischen sich Blaugrün-Töne und erdige Farben in die Darstellung der spitz auslaufenden Blätter. Selbst eine Topfpflanze zeigt Sabine Schedler herausgelöst aus dem Alltag. Weder Wohnraum noch Terrasse benötigt das Gewächs vor einem violetten Hintergrund. Pflanzenportraits und Stillleben - dem Alltag enthobene Ruhebilder. Die Ausstellung „Pflanzenportraits und Stillleben“ ist bis zum 9. Juni im Idsteiner Kulturforum Speicher, Borngasse 23 zu sehen.

Calla

Die Ausstellung „Pflanzenportraits und Stillleben“ ist bis zum 9. Juni im Idsteiner Kulturforum Speicher, Borngasse 23 zu sehen.

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