Konzeptionelle Kunst - Werke der internationalen Gruppe „3.

Aus der Idsteiner Zeitung von Susanne Gross : Abstrakte und konzeptionelle Kunst bietet die aktuelle Ausstellung im Idsteiner Kulturforum Speicher den Besuchern im Mai. Die Gruppe 3. Paradigma – bestehend aus sechs internationalen Künstlern - zeigt Malerei und eine Skulptur. Die aus Deutschland, Portugal, Rumänien, Aserbaidschan und den USA stammenden Künstler eint die abstrahierende Gestaltung ihrer Themen - ungeachtet der spezifischen Handschriften

Bilder der Ausstellung

Mit zwanzig Arbeiten dominiert Adrian Bayreuther die Ausstellung. Selten verzichtet er in seinen Acrylarbeiten, Collagen auf Pappkarton oder Aquarellen auf eine Linienführung, die sanfte Übergänge und scharfe Kanten vereint. Sein „Samarkand“ benanntes Aquarell hat er als unregelmäßige Zellstruktur aufgebaut. In die organisch wirkenden Bausteine integriert der Maler ein Auge, vier Fußzehen, das Logo der Künstlergruppe, ein weibliches Gesäß. Einzelne Zellen scheinen sich nach vorne zu wölben, wirken beweglich und lebendig. Doch in der Bildmitte befindet sich eine wie Glas wirkende Platte. Ein Sonnenstrahl scheint sich auf ihr zu brechen; ein Stab durchdringt sie. In seiner ausgeklügelten Komposition stellt Bayreuther in sanfter Farbgebung organische Formen geradlinigen Strukturen gegenüber.
Die aus den USA stammende Künstlerin Harriette Lawler präsentiert eine Skulptur. Ihre „Geistertänzer“ gestaltet sie aus gewelltem Aluminium. Kupferdraht markiert die Köpfe, Arme und Beine der Tänzer. Deren wehendes Gewand verbindet auf gespenstische Art die vier anonymisierten Personen. Sie strecken ihre Hände schwungvoll nach rechts und ihre Tanzbeine bewegen sich in der Luft. Die Figur wirkt bewegt und ist doch stabil und ausbalanciert in ihrem geisterhaften Tanz.
Die beiden Ölarbeiten „Text und Zeit“ von Constantin Severin aus Rumänien zeigen sich verschlüsselt und entziehen sich einer schnellen Deutung. Der Maler nutzt kraftvolle Ölfarben, deren Flächen er mit dunklen Linien umrandet. In seiner Arbeit Nr. 80 setzt er einen durchtrennten Kreis und sechzehn Farbflächen, die Amphoren oder weibliche Torsi enthalten, in Szene. Dazu integriert er eine Farbfläche, die an ein antiquiertes Radio erinnert. Darin ist die Beweinung des Leichnams Jesu zu sehen. So trägt der Künstler Motive der Vergangenheit in die Gegenwart.
Izabella Pavlushko aus Aserbaidschan zerlegt Figuren in einzelnen Farbflächen, die sie mit dicken schwarze Linien umrandet: Eine orientalische Prinzessin, ein jugendliches Paar oder sich abwendende Erwachsene. Pavlushko gestaltet die Figuren ohne Tiefe und beschränkt ihre Körper auf markante Details. Lediglich langes Haar oder ein gewölbter Brustkorb bieten Hinweise auf weibliche Figuren. Einfach Symbole genügen der Malerin zur Darstellung des emotionalen Grundthemas: So steht ein zweiteiliger Keil in der Arbeit „Abweisung des Heiratsantrags“, für die Spaltung des Paares.
Olga Dmytrenko aus den USA zeigt sich als Meisterin Unfassbares zu gestalten. Ihre in Acryl und Öl ausgeführten Arbeiten bewahren sich etwas Geheimnisvolles und geben ihre schwebenden, nebligen Tiefen nicht gänzlich preis. So wirken die „Marsianischen Chroniken“ als ob Materie im Entstehen begriffen ist.
Der Portugiese Alberto D’Assumpcao stellt drei durchkomponierte Arbeiten aus. Auf mit mathematischem Kalkül arrangierten Bildtafeln mischen sich geometrische Figuren. In der Arbeit „Vibration“ schweben 5 grüne Bälle vor Rechtecken, Dreiecken und trapezförmigen Flächen. Eine schwungvolle Linie durchzieht die in gelb orange und violett gestaltete Fläche.
Die Ausstellung der Künstlergruppe 3. Paradigma ist im Idsteiner Kulturforum Speicher, Borngasse 23 bis zum 18. Mai zu sehen. Öffnungszeiten: Samstag. und Sonntag 10 bis 16 Uhr. Zusätzlich Donnerstag, 9. Mai (Himmelfahrt) von 10 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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