Aus der Idsteiner Zeitung v. 10.10.2012

Sabine Schwarze zeigt ihre Werke unter dem Titel "Absolut abstrakt" im Idsteiner Kulturspeicher. Von: Susanne Gross Ein ungewohntes Format für diese Szene: Meer und Himmel: drängt Sabine Schwarze auf eine schmale Leinwand, hochkant wie ein Paneel. Bei ihrer Arbeit „Seaside“ rollen dem Betrachter aus schwarzblauem Wasser wie gefroren wirkende Blöcke entgegen. Eiszeitblau in tiefdunklem Ozean. Dahinter ein türkis und weiß schimmernder Himmel, der an polare Regionen erinnern. Sabine Schwarze stellt derzeit 29 ihrer aktuellen Arbeiten unter dem Titel „Absolut abstrakt“ in einer ersten Einzelausstellung im Idsteiner Kulturforum Speicher aus. Ihr Debüt gab die in Taunusstein lebende Malerin im vergangenen Jahr, als sie an gleicher Stelle Bilder gemeinsam mit ihrer Schwester präsentierte. Sabine Schwarze setzt auf Acrylfarbe, um ihre Inspirationen umzusetzen. Ab und an beleben Mischtechniken, der Einsatz von Papier, Netzen, Wellpappe die Oberflächen ihrer abstrakt gestalteten Bilder. Dabei nutzt sie die komplette Leinwand für ihre Kompositionen. Sofern klare Linien erkennbar bleiben, sind diese niemals scharf gegeneinander abgegrenzt, sondern greifen die Töne der angrenzenden Flächen und weitere Nuancen auf

Sabine Schwarzes Themen reichen von Küstenlandschaften bis hinab zur molekularen Ebene oder strecken sich dem Kosmos entgegen, wie in der Arbeit „?Wohin?“. Diese zeigt eine grau gestaltete Leinwand, welche allein schon Assoziationen zu ungeklärten Fragen aufkommen lässt. Eine schwarze Form dringt in die Tiefe, lässt Farbspritzer wie einen Konfettiregen hinter sich. Die Figur scheint keinen klaren Weg außer der Tiefe vor Augen zu haben, scheint auch nicht der schwarz-roten kreisrunden Fläche entgegenzustreben, die wie eine untergehende Sonne im oberen Drittel des Bildes prangt. Bewusst spielt Sabine Schwarze mit Assoziationen zum Thema „Schwarzes Loch“. Doch bei ihr kommt die Ungewissheit aller Existenz als an eine dynamisch dahin schreitende, an eine Hose erinnernde Figur daher. So karikiert die Malerin die Tristesse des Bildes geradezu.
Eines der weniger abstrakt wirkenden Bilder trägt den Titel „Dublin“. Wie eine marode und heruntergekommene Häuserfassade wirken die horizontal aneinander gesetzten Farbflächen in grau, schwarz und weiß. Linkerhand blickt man hinter einem Rollladen auf einen mit weißen Klinkern vermauerten Eingang. Ein petrolfarbenes Doppeltor ist abweisend verriegelt. Durch die wie einen Fußgängerweg vorgelagerte Fläche, dringen an einer Stelle zugeschüttete Bahngleise. Die Abstraktion als Dokument von trostlosem Zerfall und Veränderung.
Auch wenn die von Sabine Schwarze gewählten Bildtitel geradezu einladen, ihren Ideen zu folgen, lassen ihre Bilder doch Raum für freie Assoziationen – und manche Arbeiten erscheinen geheimnisvoller, als die Quellen ihrer Inspiration.
Die Ausstellung „Absolut abstrakt“ im Idsteiner Kulturforum Speicher, Borngasse 23, ist bis zum 21. Oktober zu sehen. Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.


Alle Meldungen