„Berührender Flügelschlag“ Presse Kathrin Funk

Von: Susanne Gross Bauschig, tosend und stiebend fegt helles Gefieder aus dem linken Bildrand. Rechterhand segeln drei große Federn sanft zu Boden. Was bleibt, ist eine helle Fläche, aufgeladen von bereinigter Energie. „Ge-Flügel V“ benennt Kathrin Funk dieses Werk. Unter den Titel „Auf dem Weg“ präsentiert die in Idstein lebenden Malerin Arbeiten aus den letzten fünf Jahren – oftmals durchziehen Engelsschwingen und geflügelte Körper ihre Bilder. Kraftvoll, unmittelbar und expressiv zeigen sich ihre Arbeiten allemal und es scheint, dass Kathrin Funk in der Hinwendung zur Malerei das für sie angemessene Medium zum Ausdruck von Gefühlen gefunden hat.

Engel

Auch wenn Collagen, in Mischtechniken ausgeführte Bilder, Seidenmalerei und Drucke ihre Experimentierfreude belegen, nutzt sie überwiegend Acrylfarben in breiter Palette für ihre Arbeiten.
Den Schwerpunkt ihrer ersten umfangreichen Einzelausstellung bilden vornehmlich Werke, die Schwingen, Flügel und engelhafte Wesen thematisieren. Mit verschiedene Techniken und unterschiedlichen Auffassungen folgend, umrundet Kathrin Funk diese Thematik in immer neuen Sinnzusammenhängen, entwickelt eine Serie. Bei „Ge-Flügel“ stehen Schwingen und einzelne Flügel im Focus ihres Schaffens. Die aktuelle Arbeit „Wind beneath my wings“ erweitert die Form zu einem weiblichen Frauenkörper. Kathrin Funk setzt ebenso humorvolle Ideen wie „Engel-Wäsche“ oder „Engel tragen nun einmal weiß“ um, wie schattige Aspekte bei „Dark Angel“. Dabei zeigen sich ihre Bilder frei von jeder Naivität. Ungekünstelt, unmittelbar, dicht komponiert mit einer vollkommen geschlossenen Leinwandoberfläche kommen die Bilder daher. Die Metapher der Schwingen und Flügel bündeln vielmehr das Gefühl von Energie und Kraft des jeweiligen Bildes.
Dramatisch zeigt sich die Collage „chaos in the head“. Kathrin Funk arrangiert eine Vielfalt farbiger Schnipsel zu einer wie tapeziert wirkenden Fläche. Darüber dominieren dunkelrote, schwarze, petrolfarbene Farbschichten. Wie ein Graffiti steht „against“ quer über dem Bild zu lesen. Im Vordergrund sind zwei Figuren auf den Betrachter hin ausgerichtet: In expressiver Manier gemalt, die Augenbrauen zu der Nasenwurzel hin zusammengekniffen, die Münder weit geöffnet, das Haar wirr um die Köpfe stehend. Man ahnt ihren Vorwurf, ihre mahnende Tonlage, das anklagende Fordern.
In ihrer aktuellsten Arbeit – ein dreiteiliges Werk „Cross the border“ – beschreitet Kathrin Funk einen anderen Weg. Sie setzt auf eine eher grafische Gestaltung der Bildfläche, lässt unbemalten Raum zu, reduziert ihre Palette auf rot, weiß und schwarz, erprobt Spraytechnik-Effekte. Zwar bleibt das Erkennungsmerkmal der Schwingen im Werk erkennbar, doch ansonsten deuten die Bilder mit einer wie geröntgt wirkenden Figur eine neue Ausrichtung an. „Cross the border“ - eine Grenze zu überschreiten bedeutet bei Kathrin Funk hier keinen sanften Übergang, sondern erscheint als Kraftanstrengung begleitet von Schmerz.
Die Ausstellung „Auf dem Weg“ ist bis zum 15. Juli im Idsteiner Kulturforum Speicher, Borngasse 23 zu sehen. Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.






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