Lichtsafari

Von: Susanne Gross Die Fülle der Bilder korrespondiert mit ihrer Leidenschaft für Fotografie: Dr. Volker Grassmann und Dr. Gerald Wolf beschränken sich lediglich um eines besonderen Effektes willen innerhalb ihrer Fotografien – bei der Ausstellung im Idsteiner Kulturforum Speicher trumpfen sie hingegen mit 65 aktuellen Arbeiten auf. In ihrer „Lichtsafari“ betitelten Präsentation von Fotografien aus den letzten zwei Jahren spielt das Phänomen Licht in unterschiedlichsten Ansätzen eine herausragende Rolle, ergänzt um Tieraufnahmen aus Afrika.

Diashow Lichtsafari

Die Aufnahmen der beiden in Idstein lebenden Männer wirken einerseits durch Kontraste oder gezielt eingesetzte Reduzierung, doch gelegentlich transportieren die Bilder auch atmosphärische Züge, wie etwa das von Bodennebel verhüllte Heftricher Moor. Feuchte Luft kondensiert und umhüllt einzeln stehende Bäume, Hecken und Gebüsch und taucht die Wiese sanft wie unter einen Schleier. Darüber hängt gleichermaßen als Gegenentwurf eine Aufnahme des Idsteiner Hexenturmes. Dessen dunkle Silhouette ragt in einen rot, zartviolett und spärlich orange getönten Abendhimmel wie ein Scherenschnitt.
Die beiden Männer haben sich in den letzten Jahren kontinuierlich auf Fotosafaris begeben, waren unterwegs in heimischen Gefilden und besuchten angrenzende Gemarkungen, nahmen ihre Kameras mit ins europäische Ausland und nach Afrika. Diesen Safaris entstammen sämtliche Bilder, mal in schwarz-weiß, dann wieder brillant in ihren Farben.
Volker Grassmanns Aufnahmen sind teilweise experimenteller Natur. In einem Bild überlagert er die Anzeigetafel eines Flughafens mit einer auf dem Bahnhof in Berlin stehenden Person. Darunter mischt er schließlich den übergroßen Schatten eines Passanten und erzielt so einen verfremdeten Effekt. In seinem Arrangement von neun Bildern im Obergeschoss wechselt er von Aufnahmen mit klaren Konturen über impressionistisch wirkende Fotografien zu Bildern, deren Perspektive weit in die Tiefe führt. So hängt die Fotografie eines sandigen Weges ins Meer gleichwertig neben einer flach und begrenzt wirkenden, wie von Dunst überlagerten Wasseroberfläche.
Licht spielt auch in den Arbeiten von Dr. Gerald Wolf eine besondere Rolle: Er fängt in den von ihm ausgewählten Bildern unterschiedliche Lichtphänomene ein: Einen Regenbogen über einem Getreidefeld, farbig getünchte Häuser in Irland oder er deckt er bei Frankfurter Luminale geradezu grafisch wirkende Muster auf, die an Strichzeichnungen auf einem dunklen Hintergrund erinnern. Oft spielt in seinen Bildern die Horizontale eine besondere Rolle, etwa bei seinem acht Bilder umfassenden Arrangement in der mittleren Etage. Gleichgültig, ob es sich um vier Flamingos handelt, die vor sich berechenden Meereswellen stehen und deren Gefiederfarbe sich in den Tönen des Wassers wiederholt oder um Impalas, deren Köpfe aus den Gräsern der Savanne hervorlugen.
Impression und Stimmung, Fülle oder Reduzierung, brillante Farbigkeit oder schwarz-weißes Experiment, scharfe Lichtlinien und sanfte Naturerscheinungen verleihen dem überbordenden Angebot an Fotografien einen weit gesteckten Rahmen.
Die Ausstellung „Lichtsafari“ ist bis zum 17. Juni im Idsteiner Kulturforum Speicher, Borngasse 23 zu sehen. Öffnungszeiten: Samstag, Sonntag und Feiertag von 15 bis 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Am Freitag, 8. Juni findet um 20:30 Uhr eine Diashow mit begleitender Trommelmusik statt. Der Eintritt beträgt 10,- Euro.



Alle Meldungen