„Abstraktion der Wirklichkeit“ Linienbilder von G. Hegemann

Aus der Idsteiner Zeitung von Susanne Gross : Klar strukturierte Bilder, durchdacht, komponiert und geordnet, dennoch variationsreich und organisch gestaltet: Diesen Balanceakt beherrscht mit großem Können der Maler Gerhard Hegemann. Der Wiesbadener Künstler präsentiert im Idsteiner Kulturforum Speicher seine Werke unter dem Titel „Abstraktion der Wirklichkeit“. Nicht umsonst trägt die Ausstellung den Untertitel „Linienbilder“, denn charakteristisch für die in Harzöl auf Nessel ausgeführten Arbeiten ist die Betonung der Vertikalen – unabhängig davon, ob die Bilder im Hochformat oder im Querformat ausgeführt sind. Gerhard Hegemann zeigt sechzehn Arbeiten aus den letzten zehn Jahren. Dabei stellt er sowohl Originale als auch den Bildern vorangegangene Studien aus.

Vernissage Hegemann

Fern jeder Gegenständlichkeit hat der Künstler zu einem eigenen Stil gefunden, der die Realität und seine Inspirationsquellen vollkommen abstrahiert und konsequent einem eigenen System folgt.
Einerseits sind die Arbeiten durch eine sehr genaue Abgrenzung der aneinander stoßenden Farbflächen geprägt. Doch gleichzeitig gestaltet Gerhard Hegemann diese Farbfelder in sich sehr organisch: Hier verlaufen Farbnuancen harmonisch ineinander. Besonders deutlich wird dies beim Werk „Orpheus und Eurydike“, einem Bild im Querformat von 100 auf 156 Zentimeter. Die Arbeit präsentiert sich als Komposition von senkrecht nebeneinander gestalteten Farbflächen. Dunkle und helle Töne hat der Maler hier nebeneinander gesetzt. Doch darüber hinaus erweist sich das Bild bei genauem Hinsehen als variationsreiches Zusammenspiel von Ordnung und organischen Übergängen. So bildet in den senkrecht strukturierten Farbflächen die pastose und waagrechte Pinselführung der aufgetragenen Farben einen Kontrapunkt zur Geradlinigkeit und Struktur. Lediglich vier einzelne Rechtecke erweisen sich als rein in ihrer dunklen Farbe und glatt in ihrer Oberflächenstruktur. Feine Betonungen, Nuancen und Variationen lassen das Bild kompakt und intellektuell wirken, ohne ihm Schwere zu verleihen.
Ähnlich verfährt der Maler bei der Arbeit „“Wald des langen Wartens“. Hier erinnert die Struktur des Malgrundes an Baumstämme: Ein Astloch und die Borke scheint Gerhard Hegemann hier verewigt zu haben. Über der in erdigen Tönen gestalteten Fläche liegen graue Streifen von teils gerader Struktur, teils organischer Linienführung. Vereinzelt setzen goldene Rechtecke Blickfänge.
In der Arbeit „Die letzte Welt“ weicht Gerhard Hegemann von der strengen senkrechten Linienführung ab. In einen schwarzen Hintergrund öffnet sich eine graue Fläche, die von einem geradezu magisch wirkenden Licht erhellt wird. Fünf klobige Stufen führen wie eine stabile Himmelsleiter nach oben.

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