Aus der Idsteiner Zeitung vom 28.11.2011 : von Susanne Groß

Alles ist Kunst! Ewiges Weben. Dem Sein dürstet, sich selbst zu begegnen.“ Diese Zeilen von Sandra Voß erweisen sich als charakteristisch für ihre Arbeiten sowie für die Ausstellung ihrer Werke unter dem Titel „Weltenwanderung“ im Idsteiner Kulturforum Speicher. Die in Bad Camberg lebende Künstlerin präsentiert erstmalig ihre Bilder, Fotografien, Gedichte und Gedanken in Idstein. Auffällig ist, dass Sandra Voß keiner festen Richtung folgt, keinen durchgängigen Stil kultiviert. Vielmehr entfaltet sich vor dem Besucher ein Kaleidoskop an kleinen und größeren Bildern und Fotografien.

Weltenwanderung

Auffällig ist, dass Sandra Voß keiner festen Richtung folgt, keinen durchgängigen Stil kultiviert. Vielmehr entfaltet sich vor dem Besucher ein Kaleidoskop an kleinen und größeren Bildern und Fotografien. Schon die dichte Hängung der Arbeiten im Treppenaufgang führt durch und in eine andere Welt. Die Autodidaktin gestaltet mit Pastellkreide, malt in Öl, nutzt Buntstifte oder Gouache zum Ausdruck. Daraus erwachsen Bilder, die in kein Raster zu stecken sind: Schwarz-weiße Graphiken, die einem Märchenbuch entliehen sein könnten, Bilder in Pastellkreide, deren Pinselführung vegetativen Formen folgt. Minimale Format, Postkartengröße, doch auch große Leinwände füllt Sandra Voß mit Farbe.
Letztendlich wirken ihre Bilder ungekünstelt und experimentierfreudig, ausdrucksstark und unprätentiös. Oftmals verzichtet sie sogar auf einen Rahmen oder ein Passepartout. Stattdessen steckt sie die Arbeiten vor bunten Karton. Es wirkt vielfach so, als ob Sandra Voß große Offenheit für den Prozess der Bildwerdung zeigt, den inneren Zensor ausschaltet.
Geradezu surrealistische Züge zeigt das Ölbild „Die Gabe“ oder „Das Opfer“. Die Seiten eines aufgeblätterten Buches verwandeln sich in ein Meer: Weiße Wellenkämme über schwarzem Wasser. Darüber scheint der volle Mond; violette Wolkenbänder ziehen über den Nachthimmel. Rechterhand wachsen dekorative florale Elemente in das Bild hinein. Dazwischen als weitere Anhaltspunkte eine Muschel und die Schwanzflosse eines Fisches. Doch letztendlich bleibt die Arbeit frei für jegliche Interpretationen.
Auch ihre Zeichnungen mit schwarzen Pigmentstiften kommen märchenhaft daher. Ein Kopf scheint dem Erdboden zu entwachsen. Dabei gehen dessen Gesichtsformen fließend in die Natur über. So wird das Kopfhaar des Gesichtes unversehens zum Gras. Bei genauem Hinsehen entdeckt man, dass aus der Braue des rechten Auges eine Schnecke aufschaut und die Wangenpartie einem Schneckenhaus gleicht.
Die mit Nadelbäumen bewachsenen kleine Planeten und Wolken erinnern an die Illustrationen aus dem Buch „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry. Hinter Pilzhäusern und einer rot eingedeckten Kirchturmspitze, lugt der Mond hervor.
Zwischen den Gemälden hängen Gedichte - gedruckt oder kunstvoll geschrieben - sowie Fotos von einer Reise nach Algerien. Sandra Voß zeigt Alltagsmotive: Kinder auf einem Esel, Häuserfassaden, Stromleitungen, die sich wie ein Netz über die Straße spannen. Doch Sandra Voß hat die Bilder am Computer bearbeitet und deren Farben entfremdet. „Ich will erreichen, dass die Besucher zweimal hinsehen und denken: Da ist etwas anders“, betont sie.
Die Ausstellung „Weltenwanderung“ dauert bis zum 18. Dezember. Kulturforum Speicher, Borngasse 23, Idstein. Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag 11 bis 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.




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