Mehr Wein für alle -Riesling frißt Gift

Aus der Idsteiner Zeitung. von: Susanne Gross „Weinlesung soll animieren, inspirieren, aktivieren, Phantasie stimulieren und beim Speisen amüsieren“, schreibt Dr. Winfried Rathke. Der pensionierte Augenarzt aus Geisenheim gastierte mit weinseligen Zitaten aus der Weltliteratur, die von Heinrich Heine über Goethe bis zurück zu Sokrates reichten, mit metrisch verfassten Gedichten aus seiner Feder und alternativen Weinliedern am E-Piano im Idsteiner Kulturforum Speicher.

Lesung Rathke

Nahtlos geht Winfried Rathke von seiner Vorstellung in das Zitieren erster Sinnsprüche aus dem Munde von Voltaire und Baudelaire über, beginnt mit seinen amüsanten und satirischen Ausführungen, erreicht ein erstes selbst verfasstes Gedicht: Verse, die der passionierte Schreiber für eine Weinkönigin verfasste.
Als charakteristisch für den Schreibstil von Winfried Rathke erweist sich sein Hang zur Metrik. In Reimform verpackt er allerlei Wahrheiten und Witzeleien über edle Tropfen und Rebengewächse. Er beschreibt auf unterhaltsame Art, was Wein bewirkt und lobt den Nutzen von moderatem Weinkonsum. Rathke erläutert mit medizinischen Vokabeln einen Rausch und belehrt die Anwesenden, dass Rotwein gut gegen Prostatabeschwerden ist: “Mann wird von Tag zu Tag gesunder, durch ein Glas Spätburgunder“, verkündet er.
Winfried Rathke steht hinter seinem Stehpult, trägt aus seinen Manuskripten vor, tritt dabei einen Schritt zurück und untermalt seinen Vortrag über den Weg eines „Weinschlucks“ durch den menschlichen Organismus mit Gesten, fasst sich an den Magen, breitet die Arme aus, schüttelt seinen Kopf. Kurzum: Er ist in seinem Element und versteht es, mit pointenreichen Versen die Besucher Satz für Satz zu amüsieren.
Ab und an unterbricht er seine Rede, wechselt von Zitaten und Anekdoten aus seiner Zeit als Augenarzt zu einem seiner alternativen Weinlieder: Er setzt sich an das E-Piano und singt über die Wirkung des Weins: „Die Seele wagt den Salto, Schüchternheit ist weggeblasen, der Mensch wird kommunikationsbereit“, erklärt er den Besuchern. Auch von Wein-Wanderungen weiß Rathke zu berichten: „Der Winzer wandert für sein Leben gern, CO2 wandert zu Luft, Fasswein wandert in die Flasche und Wein wandert ins Glas“, und Rathke setzt seine Ausführungen bis hin zur Verdauung fort.
Auch erzählt der gebürtige Ostpreuße Rathke von Perkeo, einem gnomhaften Narr am Hofe von Kurfürst Karl Philipp in Heidelberg. Bis zu 20 Litern Wein soll der kleinwüchsige Mann pro Tag getrunken haben – und das über einen Zeitraum von 80 Jahren hinweg. Als ihm ein Arzt schließlich den Weinkonsum verbat und ihm befahl auf Wasser umzusteigen, starb Perkeo prompt am kommenden Tag.
Neben seinen Versen rund um den Rebensaft versteht es Rathke auch, tagesaktuelle Aspekte in seinen Vortrag mit einzubeziehen. „Als Satiriker freue ich mich über alles, was schief geht, Das bietet immer Schreibstoff. Ich fabuliere jeden Tag über Irrsinn ohne gleichen“, sagt Rathke.
Weit über eine Stunde weiß. Winfried Rathke mit seiner „Therapie für die Seele“ die Besucher zu unterhalten und ihnen ein Schmunzeln mit auf den Heimweg zu geben.


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