Bild trifft Skulptur

Von: Susanne Gross „Bild trifft Skulptur“ lautet der Titel der aktuellen Ausstellung im Idsteiner Kulturforum Speicher. Bis Ende August präsentieren Thommy Ha, Bernd Müller und Joachim Weissenberger Ölbilder, Acrylarbeiten und hintergründige Skulpturen aus Bronze, Stewalin oder Lindenholz

Nachläufer Foto: Klaus Gottschick

In den sechzehn Arbeiten von Thommy Ha gärt und brodelt es. Seine Bilder wirken so, als ob er darin Prozesse von großer Dynamik fixiert. Spannungsreich, voll eruptiver Kraft und Bewegung sind die Werke konzipiert. In seine aus Acryl oder in Mischtechnik gefertigten Bildern arbeitet Ha teilweise Kordel, Zeitungsausschnitte oder Metallplättchen ein. Viele seiner Werke kennzeichnet eine reliefartige Oberfläche. Die Farben und Formen fließen ineinander und vermischen sich. Reste an Ordnung oder Anfänge neuer Strukturen weist das Bild „Transformen“ aus dem Jahr 2010 auf. Darin arrangiert der in Mainz lebende Maler verschwommene Elemente neben strukturiertem Malgrund. Ha teilt das Bild diagonal. Im linken Bereich fächert er gelbe, rote und rotbraune Farben auf: Diesen dynamischen Bereich begrenzt er mit einem schwarzen Fluß. Auf der anderen Seite der Arbeit arrangiert er Röhren, die deutlich die Verlaufsrichtung der Energieströme kanalisieren. In der Arbeit „Spielball Welt“ gärt und brodelt es hingegen durchgängig. Die Erdoberfläche ähnelt in ihrem Querschnitt der menschlichen Derma. Ein letzter Baum kippt nach links. Der blaue Planet wirkt deformiert und beschädigt.
Kennzeichnend für die Skulpturen von Bernd Müller aus Köln sind ihre gesellschaftskritischen oder tiefsinnigen Aussagen. Der Künstler bearbeitet helles Lindenholz oder fertigt seine Plastiken und Reliefs in Bronze oder aus Stewalin-Giessmasse.
Menschliche Befindlichkeiten und Verhaltensmuster stehen im Mittelpunkt seines Schaffens. Die von ihm dargestellten Personen fungieren als Träger für Emotionen und Beobachtungen. Seine Bandbreite reicht dabei von zarten Empfindungen wie „Geborgenheit“ bis hin zu „Aufstieg“. Dabei zeigt er einen Mann mit Aktenkoffern, Jackett und Krawatte, der seinen linken Fuß auf dem Kopf eines am Boden knienden Mannes stützt. Auch bei der Arbeit „Nachläufer“ schlägt Bernd Müller kritische Töne an. Einer Führerfigur mit erhobenem Arm folgen sechs anonymisierte Personen. Müller stellt die Schar der Nachläufer ohne eigenen Kopf dar, bar einer eigenen Persönlichkeit. Die Mitglieder der Gefolgschaft tragen lediglich einen Zylinder statt eines Kopfes und folgen blindlings ihrem anerkannten Führer.
Joachim Weissenbergers Ölbilder bestechen durch ihre suggestive Kraft: Diese zeigt sich sowohl in der Wahl der von ihm verwendeten Farben als auch in den surrealistisch anmutenden Kompositionen. In seinen Werken schwingt Unbewusstes mit, dringt Tiefes an die Oberfläche und verbindet sich zu assoziativen Kompositionen, die einem Traum entsprungen sein könnten. Seine Arbeit „Das gelbe Haus“ wirkt wie in magisches Mondlicht getaucht. Ein hinter Bäumen und unter Wolken still daliegendes Haus zieht den Betrachter geradezu magisch an. Doch eine große Vase auf einem Fenstersims im Bildvordergrund versperrt ihm den Zutritt in die fiktive Szene.
Weissenbergers Zeichnungen offenbaren sein Talent für die naturgetreue Wiedergabe von Landschaften. Bei der Bleistiftzeichnung „Irland“ zeigt der in Obernburg am Main lebende Künstler ein Boot mit hochgezogenem Außenbordmotor. Darüber deutet er mit wenigen Strichen eine bewachsene Insel sowie die Küstenlinie an. In der Reduzierung auf Details wie im Verzicht auf Farbe drückt die Urlaubsimpression große Ruhe aus.
Die Ausstellung „Bild trifft Skulptur“ ist bis zum 28. August im Idsteiner Speicher, Borngasse 23 zu sehen. Öffnungszeiten jeweils Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Die Einnahmen aus dem Verkauf des Katalogs und 20 Prozent vom Verkaufserlös der Werke spenden die Künstler an das Diakonische Werk Rheingau-Taunus für die Idsteiner Tafel.



Alle Meldungen