tArt-Orte im Speicher

Widersprüch­liches Repertoire – geeinte Spielfreude. Im Rahmen der tArt-Orte präsentierte das Ensemble Giocoso klassische Stücke für Klarinette, Querflöte und Klavier neben Klezmer und Oriental Jazz. Die fünfköpfige Formation um Ako Karim begeisterte mit diesem musikalischen Brückenschlag das Konzertpublikum im Idsteiner Kulturforum Speicher. Spielfreude, Können und temperamentvolle Arrangements bauten zudem eine Brücke zum Publikum, das mit dicken Jacken, Wolldecken und heißem Apfelwein den niedrigen Temperaturen trotzte.

Skulpturen aus Edelstahl von Franz Bernschneider

Standen zunächst klassische Kompositionen auf dem Programm, sorgten Rhythmus betonter Balkan-Gypsy und Orientfolk im weiteren Verlauf des Abends für eine beschwingte Stimmung unter den Besuchern.

Während der beiden Pausen konnten die Besucher aus Metall getriebene Bilder und Stahl-Skulpturen von Franz Bernschneider im Innenhof des Speichers sowie in den Ausstellungsräumen besichtigen: abstrakte oder figürliche Kompositionen, die vereinzelt Erinnerungen an die Arbeiten von Alberto Giacometti aufkommen ließen.

Die Pianisten Susanne Klar, Veronika Keber an der Querflöte und der temperamentvolle Klarinettist Ako Karim starteten mit Werken von Caspar Kummer, Robert Schumann und der spannungsreichen Komposition „Under Lindetreet“ des norwegischen Komponisten Morten Gaathaug. Abrupte Einsätze, Töne, die wie Tropen in ein Meer aus Musik fielen, abgelöst durch einen Dreiklang der Musiker, unterschwellige Dramatik und wiederkehrende Passagen bis hin zu einem sich selbst karikierenden Ende begeisterten das Publikum.

K.D. Wentz am Kontrabass und Gitarrist Benjamin Kolloch verstärkten nach einer ersten Pause das Ensemble bei den rhythmisch-folkloristischen Melodien des Klezmer und Oriental Jazz. Ako Karim reichte Percussion-Instrumente an die Besucher und ermunterte diese zu klanglicher Unterstützung. Tamburinklänge, die rauschenden Wogen zweier Rainmaker sowie das Grollen einer Thunder-Drum untermalten das Traditional „That Feeling Freilach“ oder unterstrichen den behäbigen Rhythmus von „Qoulou“. Ako Karim führte das Ensemble im Verlauf von zwei Stunden auf seiner Klarinette oder dem Saxophon. Nur beim Traditional „Halleluya“ wechselte er zu Zimbeln und unterstrich eines der wenigen ruhigen Arrangements mit sanften rhythmischen Akzenten.

Alle Meldungen