Cello meets Jazz

Virtuos das Spiel, spannungsreich die Arrangements, ungezwungen die Konzertatmosphäre. Das Duo „Cello meets Jazz“ nährte mit Violoncello und einer Halbakustik-Gitarre die Illusion, einer großen Besetzung zu lauschen. Bei ihrem Jubiläumskonzert im Idsteiner Speicher präsentierten Christopher Herrmann und Marek Herz fast auf den Tag genau fünf Jahre nach ihrem ersten Gastspiel Raum füllende Stücke von den Beatles, Sting oder Chick Corea, trugen Jazz-Klassiker wie „Take five“ sowie eigene Kompositionen vor.

Christopher Herrmann und Marek Herz

Christopher Herrmann und Marek Herz verstanden sich auf die Kunst, Spannung und Aufmerksamkeit bei den Zuhörern zu erzeugen. Intensität in der Spielweise und den Bearbeitungen kennzeichneten sämtliche Passagen - sei es bei der sanft dahin wandernden Komposition „Persia“ von Marek Herz oder dem als Kontrast vorgetragenen Stück „Spain“ nach Chick Corea. Die spielerische Bannkraft entlockte den Zuhörern ein begeistertes „Toll“ noch vor den letzten Tönen.

Die beiden Musiker spielten miteinander, ergänzten einander. Christopher Herrmann in schwarzem Hemd und schwarzer Hose aufrecht hinter seinem Violoncello sitzend, Marek Herz leger in Jeans und gestreiftem Oberteil über seine Halbakustik-Gitarre gebeugt. Sie tauschten freundschaftliche Blicke oder gingen auf in ihrem konzentrierten Musizieren.

Selbstbewusst in ihrem Spiel, ungezwungen und offen im Umgang mit dem Publikum waren sie als Künstler und Menschen gleichermaßen präsent. Bei der Moderation wechselten sich die beiden Musiker ab. Sie erzählten von den Entstehungsgeschichten einzelner Werke und holten die Zuhörer zurück in die Gegenwart, obschon man zuvor geneigt war, sich einzig dem Klangerlebnis hinzugeben.

Neue Kompositionen standen neben Bewährtem, wie etwa dem Klassiker „James“ von Pat Metheny. Marek Herz scherzte, als er behauptete: „Das Stück habe wir schon vierhundert Mal auf unterschiedliche Art miteinander gespielt - die „best of version“ gibt es heute.“

Neben ihrem spielerischen Können überzeugten die beiden Musiker auch durch ihre eigenen Kompositionen. Emotionalität klang an in „Just in case“ von Christopher Herrmann. Wie der Titel bereits erahnen ließ, begann das Stück gefühlvoll. Es erzählte von dem Versprechen, in Krisenzeiten für einander da zu sein – basierend auf gemeinsamen Erfahrungen.
Musikalisches Gefühlskino brachte das vom „Schlaier-Hirt-Duo“ für Saxophon und Gitarre geschriebene Stück „Majoh“. Eine Melodie im Leinwandformat, die von Weite und den unbedingten Wahrheiten des Lebens erzählte und der man sich als Zuhörer nicht entziehen konnte.
Überspitzt, karikierend und geradezu ironisch spielten Herrmann und Herz als erste Zugabe das Stück „Sexbomb“ von Tom Jones. Mit Pfiffen und „so schön Rufen“ verabschiedete sich das Publikum mit der Hoffnung auf ein erneutes Konzert - und das nicht erst in fünf Jahren.

Susanne Gross

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