Eine Reise ins Herz der Töne

Von: Susanne Gross „Eine Reise ins Herz der Töne“ versprach das Gong-Konzert im Idsteiner Speicher. Der in Karlsruhe lebende Klangkünstler und Musiktherapeut Rigulf Nemitz ermutigte die Besucher, sich auf ein musikalisches Abenteuer für Ohren, Herz, Körper und Seele einzulassen. Im Verlauf der über einstündigen Performance nutzte der Künstler seine dreizehn überwiegend aus China stammenden Gongs sowie ein umfangreiches Sortiment an weiteren Instrumenten, darunter Glöckchen, Steeldrum, eine arabische Rahmentrommel und Klangschalen in unterschiedlichen Größen, für eine kraftvolle und archaische Darbietung.

Rigulf Nemitz

Erwartungsvolle Stille erfüllte den Raum, als das dreimalige Schellen der Zimbeln erklang. Rigulf Nemitz hatte vor seinen Gongs auf einem Meditationskissen Platz genommen und konzentrierte sich auf das Konzert. Er bekundete: „Ich betrachte mich als Diener und Dirigent der Zhonglines“, wie er liebevoll das Ensemble der Gongs vorstellte. Seine geradezu innige Hinwendung zu den Instrumenten konnte man im Verlauf des Konzerts deutlich spüren Er bearbeitete die Klangkörper mit Klöppeln in unterschiedlichen Größen, strich mit Besen darüber, nahm Stäbchen und seine Handflächen zu Hilfe, um den Gongs von zwanzig Zentimetern bis hin zu 1,10 Metern Durchmesser ein breites Spektrum an unterschiedlichen Töne zu entlocken.
Während des Spielens organisierte sich der Künstler immer wieder neu innerhalb des aufgebauten Arrangements. Beginnend mit einer Kombination von Tönen der Kuppelgongs und diversen Klangschalen steigerte sich die Dramatik der Darbietung, je weiter Rigulf Nemitz sich auf der Kissenspur am Boden in das Innere seines Aufbaus hineinarbeitete. So ähnelten die charaktervollen Töne des größten Gongs, der „Erde“, einem deutschen Gong mit beulenartiger aussehender Oberfläche, einem Gewittergrollen. Den Effekt von abklingendem Regen erzielte der Künstler mit Hilfe einer Melodie auf einem Daumenklavier. Beeindruckend waren auch die Klänge, die er der Steeldrum entlockte, während er parallel dazu mit seiner linken Hand eine Querflöte umfasste und spielte.
Die wellenartig heranströmenden Klänge boten allen Besuchern den Raum, ihren eigenen Phantasien und Visionen nachzuhängen. Die trocken klingenden Töne der arabischen Rahmentrommel erinnerte an den Marsch einer Karawane in der Wüste, voluminöse Klänge lockten üppigere Bilder hervor. Überraschend im Verlauf des Spannungsbogens dann der Abschluss: Wie der zusammenfassende Abspann eines bewegenden Kinofilms wirkte Nemitzs Improvisation auf einer nordamerikanischen Holzflöte. Dann erklangen erneut die hellen Töne der Zimbeln und holten die Besucher in eine stille Gegenwart zurück, in denen für einen Moment noch die ergreifenden Töne nachhallten.




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