Kopfsache von Gabriele Wagner

Von: Susanne Gross Der Mensch steht im Mittelpunkt. Die in Niedernhausen lebende Künstlerin Gabriele Wagner präsentiert im Idsteiner Speicher unter dem Titel „Kopfsache“ Acrylbilder, in Kreide und Kohle ausgeführte Zeichnungen sowie dazu korrespondierende keramische Plastiken. Dabei liegt der Schwerpunkt der Arbeiten bei Portraits sowie Büsten weiblicher Figuren. Ihre naturalistische Darstellungsweise verwendet sie dabei sowohl auf die Darstellung bekannter Persönlichkeiten, wie bei der charaktervollen Wiedergabe des gereiften Ernest Hemingway, als auch auf farbintensive Portraits von Menschen fremdländischer Herkunft. Darin fängt sie das stolze Antlitz einer Marokkanerin oder die sehnige Figur eines Massai-Kriegers ein. Häufig setzt die Künstlerin ein als Bild gezeigtes Motiv ebenso in der dreidimensionalen Form der Keramik um. Einend ist beiden Ansätzen die konkrete Gestaltung jenseits aller Abstraktion.

Frau mit Hut

Bei der Keramik „Madonna mit Kind“ umfängt eine Frau schützend den Körper eines Säuglings. Die Plastik steht als Sinnbild für Geborgenheit Eingebettet in die rechte Armbeuge der Mutter ragt lediglich der Kopf des Babys aus ihrem Gewand. In inniger Haltung neigt sie ihren Kopf dem Kind zu. Das dazu korrespondierende Acrylgemälde ähnelt im Aufbau der Plastik. Auch hier drückt sich in der Gestik der Mutter die Innigkeit der Beziehung aus.
Verzichtet die Künstlerin bei ihrer keramischen Arbeit gänzlich auf eine farbige Glasur, kontrastiert im Bild die gelbe Farbe der Kinderkleidung stark mit dem blauen Oberteil der Mutter. Zudem ist die Szene in den Innenraum einer Kirche verlegt. Das Kreuzrippengewölbe und eine Fensteröffnung betonen den sakralen Charakter der Szene über die universell mütterliche Geste hinaus.

Die Künstlerin präsentiert zudem eine sechsteilige Reihe von Acrylbildern aus den Jahren 2009 und 2010, die in ihrer Farbigkeit und in der Haltung der gezeigten Personen an Aufnahmen aus den Anfangszeiten der Photographie erinnern. Hier wie dort eint die ausgewählten Personen eine zeittypische Eleganz und Distanziertheit im Blick. Die Farbigkeit der Portraits beschränkt sich auf Abstufungen von Beige und Nuancen von Grau, die sich auch im Teint der gezeigten Personen wiederfinden.

Bei der Wahl der Motive greift Gabriele Wagner auf prominente Persönlichkeiten zurück, wie etwa die junge Romy Schneider oder portraitiert eine Verwandte als „Berliner Dame“, mit einem von Blüten üppig dekorierten Hut.

Einen anderen Weg geht die Künstlerin bei ihren Arbeiten in Öl-Pastell-Kreide. Hier konzentriert sie sich auf die Darstellung von vergrößerten Ausschnitten aus den Gesichtern von Menschen anderer Kontinente. Linkerhand hängen drei Arbeiten aus dem asiatischen Kulturkreis, die sich in der Darstellung auf die Farben schwarz, weiß und rot konzentrieren. So sticht der dominant geschminkte Mund einer Geisha aus ihrer blassen unteren Gesichtshälfte hervor. Rechts hingegen hängen die Vertreter von Naturvölkern der südlichen Hemisphäre. Dabei verwendet die Künstlerin erdbezogene Farben oder greift zu Schwefelgelb, um das exotisch bemalte Gesicht eines Mannes aus Papua-Neuguinea darzustellen.

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