Emotionen und Lebensfreude

tArtorte: Tango,Jazz und Balkanmusik der Veronika Todorova-Band im Idsteiner Speicher Von Susanne Gross - sgr Eine ungewöhnliche Mischung aus Tango Nuevo, Jazz und Balkanmusik bot am Freitagabend die Veronika Todorova Band im Idsteiner Speicher. Im Rahmen der Reihe tArt-Orte präsentierte die 23-jährige Bulgarin gemeinsam mit Detlef Görke am Bass und Axel Spreitzer hinter dem Schlagzeug ein Open-Air-Konzert im Innenhof. Neben musikalischen Ausflügen in die Welt Lateinamerikas und in den Osten Europas war es überdies ein Abend voller Gefühl. Die ausgewählten Stücke von Chic Corea, Astor Piazzolla oder Renzo Ruggieri waren von starker Emotionalität in der Komposition und der Spielweise bestimmt. Die Melodien erzählten Geschichten, die von Lebensfreude oder Ergriffenheit sprachen, Dramatik und Temperament zu Gehör brachten

Veronika Todorova-Band

Bereits am Vorabend hatte die Band im ausverkauften Künstlerhof von Ilka Fanta in Wallrabenstein für allerbeste Stimmung gesorgt. Auch im Speicher stellten sie in ihrem neunzigminütigen Programm ihr Können und ihre Spielfreude unter Beweis.

Bei Veronika Todorova macht es keinen Unterschied, ob sie ein Stück von Renzo Ruggieri, einem italienischen Jazz-Akkordeonisten vorträgt oder heimatliche Klänge bei der „Balkan-Suite“ anstimmt. Sie spielt ihr Instrument immer mit der gleichen Intensität und Hingabe. Notenblätter? Überflüssig! Veronika Todorova hat die Stücke verinnerlicht.
Sie beginnt ihre musikalischen Darbietungen mit geschlossenen Augen, den Kopf leicht nach vorne geneigt. Konzentration ohne Anstrengung zeichnet sich auf ihren Gesichtszügen ab. Dann wirft sie den Kopf in den Nacken, ein Strahlen um die Mundpartie breitet sich aus. Ab und an wechselt die Musikerin einen Blick mit dem neben ihr sitzenden Bassisten. Detlef Görke spielt gleichermaßen hingebungsvoll die Begleitung mit seinem Fretless-Bass. Das Instrument, von der Klangcharakteristik her eine Mischung aus Kontrabass und elektrischem Bass, unterstreicht gemeinsam mit dem Rhythmus des Schlagzeuges das Spiel. Schon beim ersten Stück, der Polka „Quick Silver“, zeigt Veronika Todorova ihr Können. Ihre Hände bewegen sich in einem unglaublichen Tempo über die Tasten und Knöpfe.
Beeindruckend auch die Interpretation der Komposition „Spain“ von Chic Corea. Das von Renzo Ruggieri für die Band bearbeitete Jazzstück präsentiert sich als ein Feuerwerk an Lebensfreude, ein lang anhaltendes Fest, sehnsuchtsvoll und einer Hymne gleich.
Pfiffe und Zurufe erhält die Gruppe für die Ergriffenheit mit der sie „Medi-Tango“ von Astor Piazzolla vorträgt und die Inbrunst im Spiel des „Violent Tango“.
Balkanmusik im 11/16 oder 7/8 Takt, temperamentvoll, temporeich und energiegeladen rundet das Programm ab und führt zu den Wurzel der Spielerin zurück. Mit dem „Train-Song“ verabschieden sich die Spieler vom Publikum. Die Imitation eines Zuges vom Pfiff über die Abreise bis hin zur vollen Fahrt motiviert das Idsteiner Publikum zum Mitklatschen schon bevor der wohlverdiente Schlussapplaus einsetzt.

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