Der Weg ist das Ziel

Kunst - Bilder von Doris Popp

Von Susanne Gross - sgr Abstraktion exakt bis zu jenem Punkt, der beim Betrachter Neugier auslöst. Ästhetik, doch nicht um einer vordergründigen Schönheit willen, sondern tiefere Gesetzmäßigkeiten aufspürend. Doris Popp zeigt unter dem Titel „eigenART“ bis zum 6. Juni im Idsteiner Speicher ihre charakteristischen Arbeiten. Die Künstlerin präsentiert knapp dreißig Werke aus den Jahren 2006 bis zur Gegenwart. Das die Idsteinerin ihre Bilder in unterschiedlichen Formaten ausführt sowie verschiedene Techniken bei der Gestaltung und Bearbeitung der Werke nutzt, unterstreichen ihr Credo „Der Weg ist das Ziel“. Experimentierfreude und ihr Wunsch nach kreativer Weiterentwicklung drücken sich darin aus. Zwar arbeitet die Künstlerin überwiegend in Acryl, doch darüber hinaus näht und klebt sie oder integriert Metall, Muscheln oder Steine in ihre Werke.

Bei der Arbeit „Malheur auf dem Weg in die Oper“ deutet sie die Rückenansicht einer Frau im eleganten Abendkleid an, deren Gesäß entblößt ist. Humorvoll unterstreicht Doris Popp die Wirkung dieser peinlichen Situation indem sie einen Ohrring an dieser prägnanten Stelle platziert.
Eindrucksvoll zeigt sich das großformatige Werk „Stätte“. Ein Flur führt aus der Tiefe des Raumes auf den Betrachter zu. Die Künstlerin erreicht diesen Effekt indem sie entgegen unserer Sehgewohnheiten die Diagonale des Flures von links oben nach rechts unten gestaltet. Die durchweg dunklen Farben verlieren sich zum oberen Bildrand hin. Doch je näher der Flur auf den Betrachter zukommt, desto konkreter und deutlicher wird er. Verstärkt wird dieser Effekt durch mehrere Öffnungen an der rechten Seite der begrenzenden Wand. Zwar sind die Türeinfassungen dunkel gerahmt, dennoch dringt helles Licht auf den Weg. Dazu korrespondiert der begleitende Text der sich vom „Ende“ zum „Anfang“ hin entwickelt.
Im Obergeschoß erwartet den Besucher eine Überraschung. Diagonal durch den Raum liegt eine Raufasertapete auf dem Steinboden. Rechts und links wiederholt sich das Zitat „Der Weg ist das Ziel“. Symbolisch queren dunkle Abdrücke eines nackten Fußes die Strecke. Ein gewundener roter Faden unterstreicht die Symbolik.
Im Bild „Heilung“ findet sich ein unmittelbarer Bezug zu dieser Installation. In die schmale Arbeit setzt Doris Popp an den unteren Bildrand dieses Zitat. Über eine aus blauschwarzem Acryl und Steinen aufgebaute Struktur erhebt sich am oberen Bildrand der abstrahierte Kopf einer Frau. Sie hält die Augen geschlossen, doch ihre träumerischen Gesichtszüge und der sinnlich rote Mund lassen vermuten, dass sie bald die Zeit der Erstarrung hinter sich lassen wird.
Sinnlich präsentieren sich auch jene Werke, die den weiblichen Körper zum Mittelpunkt haben. Doris Popp zeigt weibliche Akte oder Frauenköpfe mit Hut. Besonders markant wirken die Figuren in der Landschaft. Ein liegender Frauenkörper greift die Linienführung der ihn umgebenden Naturszene auf. Objekt und Hintergrund verschmelzen in Form und Farbe miteinander.
Die Ausstellung dauert bis zum 6. Juni. Öffnungszeiten: Sa und So von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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