Reduzierte Körperformen

Von Susanne Gross „Körperformen“ – so lautet der Titel der aktuellen Ausstellung im Idsteiner Speicher mit Werken der in Steinfischbach beheimateten Künstlerin Dana Tamara Trieb. Die gelernte Kommunikations-Designerin präsentiert farbige Tuschearbeiten auf Leinwand sowie Tuschezeichnungen auf Papier. Das zentrale Thema der Bilder aus den Jahren 2007 bis zur Gegenwart bildet dabei die Beschäftigung mit dem weiblichen Körper und dessen Reduzierung zur Form.

Körperformen

„Ich beschäftige mich schon sehr lange mit Formen. Durch diese intensive Auseinandersetzung begegnet man unwillkürlich dem Ornament, “ merkt die aus einer Grafikerfamilie stammende Künstlerin an. Die Hinwendung zu Körperformen erfolgte dann in den letzten Jahren. Dana Tamara Trieb zitiert als Motto: “Die Krönung der Form ist das Ornament“. So steigert sie die Formen durch Wiederholung und Ordnung soweit, dass sie einen verzierenden Charakter annehmen. Besonders deutlich wird dieser Ansatz in ihren großformatigen Werken. Hierbei setzt sie aus vier rechteckigen Leinwänden ein Gesamtkunstwerk zusammen. In ihrer kreisrund angelegten Optik wirken die Arbeiten wie übergroße Mandalas und rufen Erinnerungen an kostbare, folkloristisch gestaltete Teppich hervor. Auf einem dunklen Untergrund arrangiert Dana Tamara Trieb in kraftvollem gelb, grün, rot, orange oder lila weibliche Körperteile. Bei einer in lila, gelb und schwarz ausgeführten Arbeit bilden weibliche Brustpaare die Mitte. An diesen Ansatzpunkt schließen sich elegant abgewinkelte Beine sowie der weibliche Rumpf an. Ausgespart bleiben dabei der Kopf und die Arme. Wie in ihren anderen Arbeiten akzentuiert eine Linie die Formen.
Zu ihrer Vorgehensweise merkt die Künstlerin an: “Ich arbeite fast ohne Vorzeichnungen. Mir liegt ein eher langsam geführter Strich, den ich mit starkem Druck ausübe“. Um Pinselstrukturen auf den Arbeiten zu vermeiden, verwendet sie einen selbst entwickelten Filzstift. Damit trägt die Künstlerin eine stark pigmentierte indische Tusche auf. Bei den kolorierten Arbeiten unterzieht sie die Bilder einem weitern Arbeitsgang. Die an der Nürnberger Georg-Simon-Ohm Fachhochschule für Gestaltung ausgebildete Kommunikationsdesignerin überarbeitet die einzelnen Bildtafeln mit Buntstiften. „Von oben nach unten und von links nach rechts gibt es keinen Bereich, der nicht bearbeitet wurde. Das macht die Fläche lebendig“, betont sie.
Neben den farbigen Arbeiten zeigt Dana Tamara Trieb zudem Werke, in denen die Reduktion des menschlichen Körpers auf seine Formen ebenfalls zum Ausdruck kommt. Diese hat sie in Tusche auf weißem Papier ausgeführt. Auch hierbei bleibt sie der Gestaltung von weiblichen Körpern mit deren typischen geschlechtlichen Merkmalen treu. So zeigt sie in einer Reihe von sechs Bildern Variationen von weiblichen Gestalten mit markant gestalteten Hintergründen. Rhythmisch angeordnete Striche verdichten sich zu Landschaften oder zu einer Vulva die hinter den im Vordergrund platzierten weiblichen Körpern liegt. Stets befinden sich mehrere Frauenkörper in den Bildern. Teilweise ragen ihre Gliedmaße über die weißen Rahmen heraus; in zwei Arbeiten begnügt sich die Künstlerin damit, die Figuren innerhalb des Rahmens zu belassen.
Eine Weiterentwicklung vom Körper zur Form findet insbesondere in einer der kleinformartigen Arbeiten im Eingangsbereich statt. Hier irritiert in einer Serie aus gespiegelten weiblichen Körperteilen eine Kachel, die ein angewinkeltes Bein zeigt, das ein zusätzliches Gelenk aufweist.
Auch in ihren „Gefalteten Körpern“ wird ihr Ansatz, der die anatomischen Gesetzmäßigkeiten außer acht lässt, deutlich. Die Körperformen haben sich hier eindeutig zu Bändern verändert, was in Faltungen und Drehungen der abgebildeten Körperteile deutlich wird. Unterstützt wird diese Wirkung durch eine gestrichelte Linie, die wie eine Naht auf den Bändern liegt.
Die Ausstellung dauert bis zum 20.09. Sie ist samstags und sonntags von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.



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