Keramik Hoch Drei

Eine Rikscha verziert die Schale
von Susanne Gross / sgr „Keramik hoch drei“ lautet der Titel der aktuellen Ausstellung im Idsteiner Speicher. Ines Nickchen, Marlies Pufahl und Christa Steinmetz präsentieren in einer umfangreichen Werkschau Tonarbeiten, die von Gebrauchskeramik über Wandbilder bis hin zu archaisch anmutenden Skulpturen und prägnante Objekten reicht. Unabhängig davon, welche der drei Künstlerinnen ihre Arbeiten präsentiert, eint sie ihr hohes gestalterisches Niveau und die den Ideen zugrunde liegende Tiefe

Keramik im SPEICHER

Sei es die filigrane Leichtigkeit ausstrahlende Keramik von Ines Nickchen, deren hauchzarte Verarbeitung des Materials in Staunen versetzt, seien es die abstrahierten und überlang geformten Körper von Marlies Pufahl oder die archaischen Plastiken, in denen Christa Steinmetz Boote, Installationen und Häuser gestaltet. Sämtliche Arbeiten wirken durch ihre Präsenz und dokumentieren das weite Spektrum der mit dem Werkstoff Ton möglichen Arbeiten.
Ines Nickchen nimmt die Besucher mit auf eine Reise in den asiatischen Lebensraum. Ihre bezaubernden Keramiken zeichnen sich insbesondere durch die sanfte Farbgebung und die Liebe zum Detail aus. Dabei stellt sie neben Bildern, Gebrauchskeramik in Form von Vasen, Dosen und Schalen in diesem Jahr neue Arbeiten unter dem Motto „Thai-Impressionen“ aus. Es handelt sich um Dosen in ovaler, runder oder geschwungener Form, die mit Motiven aus dem asiatischen Alltag geschmückt sind, etwa der Darstellung von Elefanten, einer Rikscha oder Reispflanzen. Die Ausarbeitung reicht dabei von der individuellen Gestaltung jedes einzelnen Deckels bis hin zur kunstvoll gemalten Innenglasur.
Einen Höhepunkt stellt ihr Wandbild „Türen schließen – Türen öffnen“ dar. In der Arbeit aus dem Jahr 2007 legt sich die Weltkugel über ein Dreieck und verbindet religiöse Symbole aus der christlichen Tradition, etwa die Friedenstaube mit dem Ölzweig im Schnabel oder der Arche, mit asiatischen Elemente, etwa dem Yin- und Yang-Zeichen. Anfang und Ende treffen in diesem durchdacht gestalteten Werk aufeinander.
Marlies Pufahl beschäftigt sich in ihren Arbeiten vorrangig mit der menschlichen Gestalt. Dabei reduziert sie ihre überlangen Figuren auf deren wesentlichen Elemente, nutzt die Abstraktion, um typische Haltungen und generelle Aspekte zu betonen. Eine gewisse Experimentierfreude im Umgang mit dem Material und das Erkunden von dessen Grenzen werden deutlich.
Rakubrand und die Bearbeitung der Oberflächen mit Engoben, eingefärbte, fein gemahlene Tonmehle, die auf den noch leicht feuchten Ton aufgetragen werden, sorgt für interessante Effekte auf den Oberflächen. Zudem integriert sie Teile ausrangierter Gartengeräte in die Skulpturen. So bilden Sensenblätter und Sichel die Flügel bei ihren Engeln. Die Figuren der Doppelplastik „gemeinsam“ tragen einen Vierzack als Kopf, Schultergürtel und Armansätze. Im Werk „erdverbunden“ hält die Plastik eine Kelle wie ein Schild vor dem Körper.
Die Arbeiten von Christa Steinmetz setzen thematisch bei kompakter Architektur und bei archaisch wirkenden Nachen und Barken einen Schwerpunkt. Bei ihren Werken „Gaubenhaus“ und dem zweiteilig in Keramik, naked Raku und Acryl ausgeführten „Turmhaus“ setzt sie auf Reduzierung statt auf Details. Dadurch gewinnen ihre Gebäude an Deutlichkeit und Allgemeingültigkeit. Den Urformen von Behausung als Sinnbild für Schutz und Stabilität steht die Beweglichkeit der von ihr gestalteten Boote entgegen. Ihre in Holzofenbrand gefertigten Nachen sitzen auf unregelmäßig geformten Eisenstücken wie auf einer Welle, die zu neuen Ufern tragen kann. Dennoch zeigt sich in der stabilen Konstruktion der Schiffsrümpfe Stabilität und Sicherheit als Grundhaltung.
Die Ausstellung dauert bis zum 5. August. Öffnungszeiten: Mittwoch, Samstag und Sonntag jeweils von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.



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