Verborgen in Träumen

Von Susanne Gross „Verborgen in Träumen“ so lautet der Titel der aktuellen Ausstellung im Idsteiner Speicher. Die aus Kroatien stammende Künstlerin Jela Sare zeigt Gemälde, die den Betrachter mit jenen Seiten der menschlichen Persönlichkeit konfrontieren möchten, die er nicht so gerne von sich Preis gibt. Mehr als zwanzig Werke in Acryl, dazu Bleistiftskizzen, Tuschearbeiten und durchdacht konzipierte Collagen aus Papier und Farbe, zeigen transformierte Darstellungen: Ereignisse und Objekte, die im künstlerischen Schaffensprozess einer Verwandlung unterzogen wurden.

Jela Sare

„Alles lässt sich transformieren, jedes Objekt hat seine eigene Welt“, betont die in Wiesbaden lebende Künstlerin. Daher schenkt Jela Sare auch Gebrauchsgegenständen ihre Aufmerksamkeit, etwa Vasen, Flaschen oder Blütenköpfen. „Bei mir steht weniger das konkrete Objekt um seiner selbst willen im Mittelpunkt meines Schaffens. Der Arbeitsprozess als solcher hat immer höhere Priorität als ein bestimmtes Thema“, erläutert die Künstlerin. So etwa bei einem Werk, das sich vordergründig als Collage in satten, leuchtenden Farben präsentiert. Der Betrachter kann in den abstrakten Farbflächen eine angedeutete grüne Tischplatte erkennen. Ein in zwei Stücke zerbrochener Teller sowie eine überdimensionale Seifenblase in blau bewirken die Assoziation an ein abstraktes Stillleben. Dunkle Konturen entlang der einzelnen Farbflächen setzen bewusst Akzente. Die Komposition ist keineswegs zufällig in ihrer Anordnung. „Selten entsteht etwas beliebig in meinen Arbeiten“, verrät Jela Sare. „Alles hat eine Wirkung und eine Funktion und ist so beabsichtigt“, stellt sie fest. So liegt diesem Bild ohne Titel ein Entwurf auf Packpapier zu Grunde. Im Verlauf des Schaffensprozesses übertrug die Künstlerin das Papier auf die Leinwand und unterzog es einer weiteren Bearbeitung mit Farbe. In ihren Collagen zerreißt sie die Zeichnungen in Streifen, die sie dann zu neuen Kompositionen anordnet.
Die Innenwelt, die Jela Sare dem Besucher der Ausstellung zum Betrachten anbietet, erlebt dieser in einer breiten Farbpalette. Gleichwohl verwendet Jela Sare oftmals gedeckte Farbtöne. Ein Sinnbild für die oftmals wenig ausgeleuchtete Innenwelt des Menschen.
Besonders deutlich wird dies bei den Arbeiten, die seitlich der Terrassentüren hängen. Linkerhand sind auf einem hochformatigen Bild offene oder noch halb geschlossene Blüten von fünf Sonnenblumen zu erkennen. Das in Mischtechnik gearbeitete Bild ist fast ausschließlich in Anthrazit ausgeführt. Lediglich helles Blau und Rostbraun lenken den Blick, stimmen nachdenklich. Die kraftvolle Dynamik der Bewegung innerhalb des Bildes spricht von Leben und steht damit in deutlichem Kontrast zu den ausgewählten Farben. So auch im rechten Bild. In einem nach oben offenen Rahmen überwinden zwei dynamisch wuchernde, in ihren Formen bewegt-tanzende, Blütenköpfe das Dunkel. Eine minimale Farbgebung in zartem Rosa und Grün setzen einen interessanten Kontrapunkt. Die Bilder reihen sich ein in den Reigen von Arbeiten, die danach streben, mehr Fragen aufzuwerfen, als sie zu beantworten.
Die Ausstellung ist am 6. und 7. sowie am 13. und 14. Juni jeweils von 12 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.


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