Ein Erlebnispfad für die Gefühle

Die Ausstellung von Andra Bresson im SPEICHER.

von Susanne Gross

Embrio


„Bilder leben, Bild erleben, Bilderleben“ – so lautet der Titel der aktuellen Ausstellung im Idsteiner Speicher. Die in Taunusstein-Neuhof lebende Künstlerin Andrea Bresson stellt in den Räumlichkeiten in der Borngasse knapp dreißig ihrer Werke aus. Arbeiten, die in unterschiedlichen Techniken ausgeführt wurden. Das Spektrum reicht dabei von Gemälden in Acryl oder Öl über Collagen bis hin zu Bilder als Mediamix, worin sie Zeichnung, Fotografie und Computerarbeit in Glanzfoliendruck auf Tintorettokasten kunstvoll miteinander verbindet.
In den Serien und Einzelarbeiten setzt sie sich wiederholt mit der Entstehung und Vergänglichkeit, mit Wachstum, Entwicklung und Verschmelzung auseinander. Bereits die Wahl des Titels spielt darauf an, dass es ihr ein Anliegen ist, mit Hilfe der Bilder zur Reflexion zu gelangen. „Meine Bilder sollen dem Betrachter als Erlebnispfad für seine Gefühle, das Herz und die eigene Spiritualität dienen“, wünscht sich die Künstlerin. Kurze Texte zu den Arbeiten dienen dem Betrachter als Handreichung. Vier- bis fünfzeilige, in ihrer Form an Gedichte erinnernde Bildbeschreibungen, bieten den Besuchern Anhaltspunkte, ohne festlegen zu wollen.
Die ältesten Arbeiten von Andrea Bresson stammen aus dem Jahre 2003. Beim Zyklus „Leben“ handelt es sich um sieben Bilder, die in einer Mixtechnik ausgeführt wurden. Sie geleiten den Besucher der Ausstellung vom Eingang bis in die erste Etage und nehmen ihn gleichzeitig mit auf eine Reise quer durch die Entstehungs- und Vergangsgeschichte des Menschen und allen Seins. Der Prozess beginnt bei „Stille“, geht über „Embrio“, „Geburt“ sowie „Frausein“ und „Mannsein“ bis hin zum „Paarsein“ und löst sich im „Reifsein“ mit der Rückkehr zur Quelle wieder auf und schließt den Kreis der Entwicklung.
Die Werke sind alle im gleichen quadratischen Format ausgeführt. Wiederkehrende Elemente sind ein Sonnenball im Hintergrund, Wasser und Luft, darin eingebunden die menschlichen Wesen. Gestalterisch bleibt Andrea Bresson abstrakt. Sie deutet die Körperformen von Mann und Frau an, füllt deren Körper mit an Blattgewebe erinnernde Strukturen oder mit schwarzen und weißen Kaorelementen.
Auch in den drei Arbeiten „Eva-Scham“, „Adam nicht perfekt“ und „Evadam“ ist von Synthese und Wandlung, Zuwendung und Schöpfung die Rede. Die Rückenansicht eines Frauenkörpers, eingebettet in einen blauen Hintergrund und ein männlicher Torso, umgeben von kräftigem Gelborange, verschmelzen im dritten Bild zu einer weiblichen Figur, die sich nun dem Beterachter zuwendet.. Die Farben des Körpers sind zarter gewählt, und im Hintergrund mischen sich nun hellerer Blautöne und Akzente des Gelborange.
Auf der Empore befindet sich die dreiteilige Arbeit „Im Chaos liegt die Leichtigkeit“. Hier verzichtet die Künstlerin auf die Darstellung von Menschen, ohne sich von ihrem Grundthema, dem Reifen innerhalb von Lebensabläufen, zu lösen. Beginnend mit zwei gleichformatigen Arbeiten, die den Anfang und die Dynamik von Entwicklung aufgreifen, verwendet sie beim dritten Bild ein größeres Format. Als Ergebnis des Prozesses ist alles weiter geworden. Die schon vorher existierende Fülle und Lebendigkeit hat sich vermehrt und lässt eine Vielzahl an Details zu. Enorme Kraft, Energie und Dynamik kennzeichnen den Ausdruck.
Die Ausstellung dauert bis zum 19. April. Sie ist samstags und sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Am 8. April startet im Atelier ein Malkurs „Vom Farbton zum Klangbild - Malen zu live gespielter archaischer Musik". Informationen dazu bei Andrea Bresson, Keplerstr.3, Taunusstein, Tel. 0 61 28 / 98 93 47.

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