„Colours of Wine“ aus der Idsteiner Zeitung vom14.06.2008

Ein Abend für alle Sinne mit Malerei von Michael Apitz, Musik von Klaus Brantzen und edlen Weinen aus dem Rheingau.

Johannisberg

„Colours of Wine“ - Weinprobe mit Malerei und Musik im Idsteiner Speicher

Ausstellung mit Bildern von Michael Apitz

Von Susanne Gross / sgr


Kann man den Geschmack von Wein malen? Wie klingt ein vollreifer Riesling, erstes Gewächs? Intensivieren Bildbetrachtung und Musik den Genuss einer Weinprobe? Ein sinnlicher Abend in den Räumlichkeiten des Idsteiner Speichers, der Fragen aufwarf und die Antworten jedem der Besucher selbst überließ.
Michael Apitz, vielen bekannt als Karikaturist von „Karl dem Spätlesereiter“, präsentierte im Rahmen der Veranstaltung „Colours of Wine“ in Begleitung des Schauspielers und Musikers Klaus Brantzen am Donnerstagabend sechs ausgewählte Rieslingweine in Kombination mit eigens dafür komponierter Musik und einem Landschaftsgemälde des Künstlers zum jeweiligen Anbaugebiet.
Zur Entstehungsgeschichte des Projekts sagte der bekennende Weinliebhaber: „Die Verbindung der Themen Malerei, Geschmack und Landschaft hat mich schon seit meiner Studienzeit interessiert“. Diese Spur hat er seitdem mit Leidenschaft weiter verfolgt.
Ausgehend von der Überlegung, dass sowohl das Anbaugebiet eines Weines, sein „Terroir“, ihm eine spezifische Prägung verleiht, als auch von der Erkenntnis, dass Menschen bei der Befragung nach den Farben, die sie einem Wein zuordnen, immer wieder zu annähernd übereinstimmenden Aussagen kommen, setzte sich Michael Apitz mit der malerischen Gestaltung von sieben prominenten Rieslinglagen des Rheingaus auseinander. Parallel dazu entwickelte Klaus Brantzen die Musik. Das „Riesling-Thema“ variierte er dabei in unterschiedlichen Kompositionen und durch die Wahl verschiedenartiger Musikinstrumente, vertreten durch Piccoloflöte, Zither, Psalterium sowie Harfe.
Den Auftakt zu jedem Wein bildeten ein literarisches Zitat, von Goethe, Schiller oder Heine, sowie Ausführungen zur Geographie der Weinbergslage und deren vorherrschenden Geschmacksnuancen. Sobald die Musik erklang und Michael Apitz das dazugehörige Bild präsentierte, wurde der Wein verkostet. Mit allen Sinnen wohlgemerkt: hörend, riechend, sehend und schmeckend – so erhielten die Kunstfreunde und Weinliebhaber die Möglichkeit, sich ein eigenes umfassendes Geschmacksbild zu machen.
Die Auswahl der Weine aus reichte von einem würzigen Martinsthaler Langenberg über einen vollreifen 1989 Berg Schlossberg aus dem Keller der Staatsweingüter Kloster Eberbach bis hin zu einem edelsüßen Kiedricher Gräfenberg. Frische Aromen von Aprikose und Apfel, erklangen als Töne auf Flöte und Streichpsalter. Das dazugehörige Gemälde zeigte eine in leuchtendem Gelb strahlende Weinbergslage. Ebenso vertreten vollreife Geschmacksnuancen von Papaya und Honig, intoniert auf einer Bassflöte und malerisch umgewandelt in einen tief orange leuchtenden Berg mit schiefrigen Grautönen.
Den Abschluss bildete der edelsüße Wein. Begleitet von Harfenklängen sahen die Besucher eine Landschaft, die mit gelber Leuchtkraft einerseits die Leichtigkeit des jungen 2006er Weines präsentierte und mit einem orangen Vordergrund auch dessen süße Fruchtigkeit aufnahm.
Die Bilder zu dieser kunstvollen Weinprobe befinden sich längst in Privatbesitz und mussten eigens für diese Veranstaltung zurück geliehen werden. „Es wird in dieser Form wohl die letzte Verkostung von „Colours of Wine“ gewesen sein“, bekannte Apitz. Doch ließ er vernehmen, dass er sich ein ähnliches Projekt auch mit anderen Weinen vorstellen kann.
An den kommenden zwei Wochenenden sind darüber hinaus in den Räumlichkeiten des Speichers Arbeiten des Malers aus den letzten fünf Schaffensjahren zu sehen. Eine Besonderheit bilden dabei vier großformatige Werke aus der in 2008 entstandenen Serie “13“. Dabei handelt es sich um „Weinberg-Portraits erster Lagen“.
Die Ausstellung läuft noch bis zum 22. Juni und ist jeweils samstags und sonntags von 12:00 – 18.00 Uhr geöffnet

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